Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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163 1. Herrn Samuel Meyer in Glogaui). Frankfurt a./M., den 21. September 1827. Da ich Ihre werthen Briefe, die Sie mir nach Berlin schrieben, nur sehr kurz beantworten konnte, so kann ich nicht umhin heute noch ein paar Zeilen besonders an Sie zu richten. In Betreff meiner Reise von Berlin hierher muß ich Sie in der Hauptsache auf den Brief an meine Mutter Hinweisen, um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden. Jedoch will ich hier noch einige Supplemente hinzusetzen. Die Reise hat mir viel Vergnügen gemacht; ich verspreche mir aber von der weiteren Reise noch mehr. Auf dem Wege von Berlin hierher habe ich alles Sehenswerthe, so viel es nur möglich war, in Augenschein genommen. Von Naumburg aus werden die Gegenden interessanter, und man hat bis hierher bei heiterem Wetter eine höchst angenehme Reise, besonders in der Gegend des Thüringer Waldgebirges von Gotha bis hinter Eisenach, wo man von der Wartburg aus (die ich besuchte) die herrlichste Aussicht hat. Den Sonnabend* 2) brachte ich in Weimar recht angenehm zu. Ich besuchte die dortige Kunstausstellung, die zwar nur klein ist, aber auf mich einen sehr angenehmen Eindruck machte. Abends besuchte ich das Theater und fand es ganz vorzüglich; es wurde die Zauberflöte gegeben, und ich muß gestehen, daß mich das Ensemble weit mehr ansprach als in Berlin, wo wir einmal zusammen diese Oper hörten. Im Einzelnen sind freilich manche Rollen in Berlin besser besetzt, aber im Ganzen kann man sehr wohl zufrieden seyn, und gewiß gehört das Theater in Weimar zu den besten in Deutschland. Das Haus ist sehr einfach, kann aber eben in dieser Einfachheit sehr gefallen. Was mir aber den Tag in Weimar ewig denkwürdig machen wird, ist die Erinnerung an den großen Mann, den ganz Deutschland verehrt,' und dessen großes Verdienst auch von fremden Nationen anerkannt wird. Es war mir vergönnt ihm meine Huldigung persönlich darzubringen. Eine geraume Zeit ging ich vor Goethes Hause auf und ab, um ihn vielleicht am Fenster zu sehen; da es aber nicht gelingen wollte, so ließ ich mich nachmittags um 5 Uhr bei ihm melden mit der Bitte ihn einige Augenblicke sprechen zu dürfen.3) Ich hatte das seltene Glück sogleich vorgelassen zu werden, und Goethe unterhielt 1) Die Urschrift des vorliegenden Briefes gehört jetzt dem Goethe- Schiller-Archiv in Weimar. Eine Abschrift davon ist mir von der Verwaltung desselben in dankenswerther Weise zur Verfügung gestellt worden. 2) Es handelt sich um Sonnabend, den 15. Septbr. 1827. 3) Eine entsprechende Notiz hierüber findet sich in Goethes Tagebuch. 11*