Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 lassen, gemischt von Liebe und Schmerz; von Men, die mir dort theuer waren, bleiben nur sehr wenige noch übrig, die Stätten, wo Sie weilten, sind verödet. Nur theure Gräber finde ich noch dort, und auch diese liegen, wie ich zu meinem Schmerze erfahren, seit mehreren Jahren nicht mehr an den gewohnten Plätzen. Unter den Schatten, welche ich vor meinem Geiste vorüberziehen sehe, sind auch die Ihrer Eltern, und Ihres in der Jugendblüthe Heimgegangenen Bruders, deren ich mich sehr lebhaft erinnere. Sie selbst, einer jüngeren Generation angehörend, find mir zwar persönlich unbekannt; doch kannte ich sie bereits aus den Erzählungen meines Neffen vr. Meyer, welcher mich im Herbste 1863 hier besuchte und mit welchem ich die Vaterstadt, sowie ihre alten und neuen Bewohner durchgemustert. Es liegt für mich ein unaussprechlicher Reiz in diesen Erinnerungen, und sie haben einen weit höheren Werth für mich, als die Worte des Lobes, durch welche Sie mich in einer Gesellschaft zu verherrlichen suchen, welcher der alte Landsmann, zumal der Jude, vielleicht ganz gleichgültig ist, wie Sie dies am Ende ihrer Rede durch einige Worte selbst angedeutet haben. Auf den eitlen Prunk meiner jetzigen Würde bin ich weniger stolz, als ich es ehemals auf den Beifall war, welchen ich in meiner frühesten Jugend, in der damals existirenden Synagoge der Chebra Malbische-Arumim nicht selten erntete, wo ich als Vorleser der Thora funktionirte und manchmal auch als Dilettant die Rolle des Vorbeters übernahm. Die Wissenschaft zwar war jener Gesellschaft fremd und auch mir, aber es war eine gemüthvolle Welt, in welcher ich mich behaglich fühlte. . . . Vielleicht gewährt mir die Vorsehung einmal das Glück, wieder einmal die alten Stätten der Jugend zu betreten und dabei die Freude Ihrer persönlichen Bekanntschaft zu machen. ..." Nur nach schweren Seelenkämpfen entschloß er sich, als sich keinerlei Aussicht bot, im Vaterlande irgend eine noch so untergeordnete Stellung im öffentlichen Dienste zu finden, nach zehnjährigem Aufenthalt um die Naturalisation in Frankreich, welche die selbstverständliche Vorbedingung für seinen Eintritt in ein Amt war, sich zu bewerben. Und als er dann das Aemtchen, das ihm ein Jahreseinkommen von 900 Franken sicherte, erhalten und sich einen eignen Hausstand gegründet 11