Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 — gewesen war, und er entfaltete inmitten dieser ehrwürdigen Körperschaft in allen Kommissionen, deren Arbeiten eine gediegene Kenntniß der jüdischen Theologie erheischten, eine segensreiche Thätigkeit. Wie er, bei seiner tiefen Ehrfurcht vor allem geschichtlich Gewordenen, in seinem Privatleben mit peinlicher Gewissenhaftigkeit die religiösen Satzungen beobachtete, so war er auch in seinem öffentlichen Wirken, obwohl er die Berechtigung der Kritik auch im Bereiche der religiösen Einrichtungen vorurtheilslos und unbefangen würdigte und anerkannte, allen überflüssigen Reformen abgeneigt und wollte höchstens solche neu eingeführt wissen, die nach dem allgemeinen Urtheil der Zeitgenossen ftaglos geeignet waren, das religiöse Leben zu starken und zu vertiefen. Fast alles, was er für die Oeffentlichkeit geschrieben hat, ist in der Sprache des Landes erschienen, das ihm eine zweite Heimath geworden ist. Nichts destoweniger hing er mit heißer Liebe am deutschen Vaterlande, das ihn verstoßen hatte, und besonders an den Stätten, an denen er seine Jugend verlebt hatte*). Nicht ohne Rührung wird man die Worte lesen, die er als Greis an einen jungen Arzt in Glogau, den vor fünfzehn Jahren daselbst verstorbenen vr. Meyer, richtete, als dieser im „Wissenschaftlichen Verein" seiner Vaterstadt einen längeren Vortrag über seinen Lebensgang und seine wissenschaftliche Bedeutung gehalten hatte. Er schrieb am10.Juli1865: „Empfangen Sie also heute meinen sehr verspätetenDankfür die mir in unserer Vaterstadt erwiesene Ehre, und für die Theilnahme, mit welcher Sie sich eines dort kaum noch gekannten Landsmannes erinnerten, und ihn gleichsam als Fremdling in Ihren Verein einführten, wo gewiß nur sehr wenige seinen Namen kannten. Es hat mich tief gerührt, nach so vielenJahren, gleichsam wie einlängstverschollener Schatteninder Heimath zu erscheinen, deren ich mich noch immer mit wahrer, aber wehmüthiger Anhänglichkeit erinnere, wo, wie Sie sagen, mein väterliches Haus längst verfallen ist, wo die Welt, mit der ich lebte, fast ganz verschwunden, und wo nur sehr wenige Altersgenossen sich vielleicht dunkel meiner erinnern. Ihre Worte haben eine Welt von Erinnerungen in mir austauchen i) Vgl. die Briefe NNr. 2, 8, 9, 10, 11, 15, 20, 22 u. 36