Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 10)
- Language
- German
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157 Kahira nach europäischem Muster eine jüdische Schule zu errichten, die nach seinen sachkundigen Vorschlägen sich die Aufgabe stellte, die männliche und weibliche Jugend mit nützlichen Kenntnissen zu versehen und zu tüchtigen Bürgern zu erziehen. Nach Frankreich zurückgekehrt, wandte er sich sofort mit dem alten Eifer den lieb gewordenen Forschungen wieder zu. Am lebhaftesten interessirten ihn die Leistungen der arabisch schreibenden Juden auf dem Gebiete der Philosophie. Maimuni/s „Führer" in der Ursprache der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen und die unvergängliche kulturhistorische Bedeutung dieses Buches in das rechte Licht zu setzen, schien ihm ein der höchsten Anstrengung würdiges Unternehmen zu sein. Schon 1835 hatte er eine Studienreise nach Oxford unternommen^), um nach den dortigen Manuskripten die Mängel und Lücken der Pariser Handschriften zu ergänzen und auszufüllen. Rastlos und unverdrossen setzte er jetzt die Vorarbeiten zu diesem Lebenswerke fort und war dem Abschluß nahe, als das schwerste Verhängniß, das einen Gelehrten treffen kann, über ihn kam. „Endlich im Besitze des unumgänglich nöthigen Stoffes," sagt er selbst in dem Vorwort, das er dem ersten Bande seiner Ausgabe vorausschickte, „traten mir zahlreich materielle Schwierigkeiten in den Weg. Leider konnte ich an die Ausführung des Werkes erst in dem Augenblicke denken, wo es der Vorsehung gefallen hat, durch die härteste Prüfung die Bestrebungen eines Schriftstellers zu lähmen, für den das Nachschlagen und Auffucheu der winzigsten Notizen Bedürfniß ist. Der gänzliche Verlust der Sehkraft?) schien die Fortsetzung der Arbeiten, denen ich schon so viele Nachtwachen gewidmet hatte, und denen auf immer zu entsagen mir so schmerzlich fiel, unmöglich zu machen. Doch als ich mich von der ersten Betäubung erholt hatte, sah ich, von ermunternden Freunden und edelmüthigen Beschützern unterstützt, gerade in den neuen Hindernissen, die mir zu überwinden bevorstanden, einen Ableiter für meinen Schmerz, und ich hoffte, mir durch angestrengte Beharrlichkeit aus *) Vgl. unten die Briefe aus diesem Jahre — 2) Vgl. die Briefe NNr. 39 und 40.