Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 7)
- Language
- German
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154 wenigen von ihrer Hand herrührenden Briefen, die auf uns gekommen sind, eine Frau von außerordentlicher Herzensgüte, Sanftmuth und Gottesfurcht und dabei von einer für jene Zeit überraschenden Bildung und Stilgewandtheit kennen und bewundern lernen, blieb zweifellos in dürftigen Verhältnissen zurück und widmete ihr ganzes Leben der Erziehung und Versorgung ihrer Kinder, die ihr die unablässige aufopfernde Fürsorge mit beispielloser Zärtlichkeit und Hingebung vergalten. Ihr Stolz und ihre Freude war der aufstrebende Entwicklungsgang ihres Sohnes, dessen stetig wachsenden Ruf in der Gelehrtenwelt zu erleben sie noch das Glück hatte. Bis zum 17. Lebensjahr blieb Salomon Munk in Glogau und gewann unter der Leitung des R. Jacob Joseph Oettinger eine Summe talmudischer und rabbinischer Kenntnisse, die ihn befähigt hätte, schon in jungen Jahren die Reife für ein rabbinisches Amt zu erwerben. Gleichzeitig ließ chn die Mutter privatim in den Elementargegenständen und in den ersten Anfangsgründen des Französischen unterrichten. Als dann sein Lehrer 1820 als Rabbinats-Verweser nach Berlin ging, folgte chm aus seinen Wunsch Munk dahin, um sich unter seiner Leitung endgültig zum Rabbiner auszubilden. Die weite Reise mußte der Jüngling zu Fuß zurücklegen, weil er außer Stande war, die Kosten der Fahrt zu bestreiten. In Berlin wurden Eduard Gans, L eop o l d Z unz und der berühmte Sprachforscher C. W. Zumpt auf ihn aufmerksam und erweckten in chm den Eifer nach Erweiterung und Vertiefung seines weltlichen Wissens. Gans unterrichtete ihn selbstim Lateinischen und Griechischen. Aus dem knappen Erlös des hebräischen Unterrichts, den er ertheilte, erschwang er unter Mühen und Entbehrungen, indem er sein eigener Diener und sein eigner Koch war, die Mittel, um seine Lebensbedürfnisse zu decken. Seine Begabung, sein Fleiß und seine eiserne Willenskraft förderten ihn überraschend schnell auch auf den neuen Wissensgebieten. Schon nach zwei Jahren konnte er in die Sekunda des Joachimsthalschen Gymnasiums eintreten. Das Schulgeld bestritt er aus dem Ertrag der Privatstunden, die er nach wie vor unermüdlich ertheilte. Mit einem glänzenden Zeugniß der Reise bezog er dann 1824 die Berliner Universität und saß zu den Füßen der großen Sprach- und Alterhumsforscher B ö ck h und B o p p, welche damals