Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
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150 zu mehr oder minder kurzem Aufenthalt bunt zusammen gewürfelten Anzahl von Handelsleuten ohnejedenfesteninneren Halt und Verband darbot, als eine „Stadt, groß vor dem Herrn und angefüllt mit Weisen und Schriftgelehrten" *), und Talmudmeister von Ruf und Ansehen rechneten es sich zur Ehre an, zum dortigen Rabbinat berufen zu werden. Und als in den Tagen Mendelssohns und seiner Schüler das Licht der Aufklärung sich allmählich unter den Juden verbreitete, fiel ein Strahl davon auch in die Glogauer Judenstadt. Mendelssohns hochdeutsche Pentateuchübersetzung fand sogleich bei ihrem Erscheinen einige Abnehmer, die sich sogar als solche öffentlich zu bekennen wagten, und noch ehe das Jahrhundert zu Ende ging, suchten Knaben und Jünglinge in wachsender Anzahl die neuen Bildungsstätten^) in Berlin und Breslaus auf/welche ihnen neue/seit Jahrhunderten von den deutschen Juden nicht mehr betretene Gebiete des Wissens erschlossen. Reife Früchte dieses Wissensdranges erntete freilich erst das spätere Geschlecht. Während von den Zöglingen der Aufklärungszeit nur ein einziger Glogauer, der durch Selbstunterricht mit vielseitigen Kenntnissen ausgerüstete M. B. Fried enthalt mit seinen umfangreichen theologisch - philosophischen Abhandlungen einen gewissen Einfluß auf die Erweiterung des Gesichtskreises der im Osten lebenden Glaubensgenossen gewann, erfreute sich die in den dreißiger und vierziger Jahren kraftvoll ausblühende jüdische Wissenschaft derthatkräftigen und erfolgreichen Mitarbeiterschaft der Glogauer Joseph Lehmann, i) Vgl. die von Kaufmann mitgetheilten Briefe des R. Nastali hn-Cohen in Lev. d. Et. j. XXXVI (1898), S. 282 ff. — 2) Daß die Kombination, es habe der Glogauer Rabbiner zu den drei polnischen Fanatikern gehört, die Wessely's Sendschreiben „Worte des Friedens und der Wahrheit" in Sachen der Reform des Jugendunterrichis mit dem Banne bedrohten, (Graetz, Gesch. d. Juden XI, 456), hinfällig ist, hat bereits Güdemann (Monatsschrift für d. Gesch. u. Wissensch. b. Judenthums XIX, 480). nachgewieien und Graetz selber (a. a. O. XX, 465 ff.) zugegeben. Nur möchte ich für den dritten, den Dajjan R. Elia b. Schabtai Chefez in Wilna (ft. 1790) halten. (Vgl. Finn, S. 173). — i) * 3) Vgl. für Berlin d. Zeitschrift d. Gesch. d. Juden in Deutschlandl, 266 ff. 272 und für Breslau die Jahresberichte der Kgl. Wilhelmsschule, von denen die Breslauer Stadtbibliothek eine fast lückenlose Sammlung aufbewahrt. — 4) Vgl. über ihn Jost, Gesch. der Israeliten, Bd X, Abth. III, S. 47 ff.