Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 2)
- Language
- German
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149 Wenn nun auch bis zum Anbruch der Neuzeit, welche den preußischen Juden die bürgerliche Gleichberechtigung brachte, der urkundliche Nachweis des genealogischen Zusammenhangs mit den so hoch begnadeten Glaubensgenossen die unentbehrliche Vorbedingung für die Theilnahme an der Ausübung der ausgedehnten Vorrechte, deren sich die Mitglieder der Gemeinde erfreuten, geblieben ist, so ging es doch durchaus mit rechten Dingen zu, daß der Kreis der berechtigten Theilnehmer sich stetig erweiterte. Schon im 17. Jahrhundert wurden die „Benedictiner Juden", wie sie nach ihrem Stammvater Israel Benedict häufig in den Akten benannt wurden, auf etliche Hundert geschätzt. Eine wirkliche Zählung verstanden sie nämlich stets unter allerlei Vorwänden zu hintertreiben. Und als zu Beginn der preußischen Herrschaft die Winkelzüge nichts mehr fruchteten, wiesen nicht weniger als 296 Hausväter mit mehr als 1300 Familienmitgliedern in kurzer Frist ihreHerkunft von Js r aelBenedict*) und seinen Schwägerinnen Kaiserin und Susanna unwiderleglich nach. Jedenfalls erwuchs auf der Grundlage der neuen Verfassung schnell ein zahlreiches, starkes und selbstbewußtes Gemeinwesen. Die gegen den Neid und die Mißgunst der Zünfte, Zechen, Gilden und städtischen Behördenstets siegreich vertheidigte Sicherheit des Daseins erhöhte die Schaffensfreudigkeit jedes Einzelnen und erzeugte bei dem Durchschnitt der Hausväter einen gewissen behäbigen Wohlstand, der ihnen Zeit und Muße gönnte, ihren Sinn auf höhere Lebensgüter zu richten und den geistigen Strömungen der Zeit in einem gewissen Umfange mit Interesse und Verständnis zu folgen. Im 17. und 18. Jahrhundert beherrschte natürlich, so lange die hergebrachten Erziehungs- und Bildungsgrundsätze in ungebrochener Kraft bestanden, die persönliche Theilnahme an den nationalen Studien und die Sorge für deren Jünger unumschränkt die Geister und Gemüther der jüdischen Intelligenz. Damals galt Glogau im Gegensatz zu Breslau, dessen Judenschaft das stets wechselnde Bild einer aus Ost und West i) Berndt, Gesch. d. Juden in Glogau, S. 62 f. Von Israel Benedict allein stammten nicht weniger als 142 Familien im dritten bis siebenten Gliede ab.