Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 23)
- Language
- German
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— 145 — Im Eingänge dieses Briefes, den R. Mose Chages am 9. Februar 1714 unverkürzt an R. Leon Brieli nach Mantua abschickte*), hatte R. Naftali seinem Schmerze darüber Ausdruck geliehen, daß R. Zebi ihm von seiner Absicht, Amsterdam zu verlassen, und gleich darauf in einem zweiten Briese von deren Ausführung Mittheilung machen mußte. War schon die Thatsache, den großen Glaubenskämpfer den Schauplatz des Kampfes aufgeben zu sehen, für R. Naftali schmerzlich, so war die Ungewißheit, in der er über den Verbleib und das Schicksal des Freundes und seiner Familie von ihm gelassen wurde, vollends niederdrückend. Aber die Zuverficht hält ihn auftecht, daß das Loos des Mannes, der so unerschrocken zur Heiligung des göttlichen Namens Haß und Verfolgung auf sich genommen, Stellung und Erwerb unbedenklich für die Sache des Glaubens und der Wahrheit hingeopfert hatte, sich rasch zum Besseren wenden müsse. Nur der Unsicherheit, in der er über seinen Aufenthalt gelassen wurde, möge er rasch ein Ende machen. R. Zebi Aschkenasi hatte Amsterdam verlassen müssen, aber er konnte es in dem Bewußtsein thun, daß die Sache, für die er sein Lebensglück entschlossen in die Schanze geschlagen hatte, von ihm zu Sieg und Anerkennung geführt worden war. Mochte auch der Kamps in erbitterten Briefen und Protesten, Erklärungen und Gegenerklärungen, Tractaten und Büchern eine Zeit lang noch weiter wüthen, die böse Saat, deren Ausgehen so verderblich hätte werden können, war im Keime erstickt, die sabbatianische Propaganda in dem Augenblick lahm gelegt worden, da sie zu ihrem ersten Fluge sich anschickte. R. Zebi Aschkenasi mußte wie eine Schwalbe, der man ruchlos das Nest heruntergeschlagen, unstet von Ort zu Ort wandern, aber die Sache, der er sich zum Opfer gebracht hatte, ruhte sicher in treuen Händen. Es war nicht etwa ein Sieg Chajjun's, sondern nur ein Ruhmesblatt mehr in dem Kranze des Glaubensmuthes und der Opferfreudigkeit, der R. Zebi's Stirne umwindet, daß er, von den Segnungen aller Gut- 1I Ich theile unter Nr. VII und VIII denselben Brief R. Naftali's mit, um die Kürzungen zu zeigen, die man bei der Miitheilung und Verbreitung der ein laufenden Briefe sich erlaubte. 10