Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 20)
- Language
- German
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— 142 — R. Naftali hatte dagegen wiederum vergebens darauf gewartet, seine ersten Zuschriften mit den übrigen Aktenstücken des Streites gegen Chajjun bereits gedruckt zu sehen und zur Versendung an Gemeinden und Einzelne in einer Anzahl von Exemplaren zugeschickt zu erhalten. Besonders hatte er Gewicht darauf gelegt, daß den Sefardim, deren Unterstützung Chajjun's R. Naftali einfach unbegreiflich erschien, ehestens in die offene Darlegung seiner Schwindeleien Einsicht verliehen werde. Der Kampf gegen den Volksverderber hatte den Alpdruck von seiner Brust genommen. Nicht ohne ein Gefühl inniger Dankbarkeit konnte er daher an R. Zebi denken, der durch die rechtzeitige Erkennung der Gefahr ein wahres Rettungswerk geleistet hatte. Die Schrift Chajjun's, die ihm jetzt erst in ihrer wahren Gestalt vorgelegt wurde, schien ihm noch Alles, was R. Zebi und sein treuer Waffenträger, R. Mose Chages, berichtet hatten, weit hinter sich zu lassen. Entsetzt ob all der Irrlehren, eilt er, seinem Freunde und Schicksalsgenossen R. Gabriel Eskeles in Nikolsburg, dessen Namen Chajjun nicht minder mißbraucht hatte, sein Herz auszuschütten. Die Ketzereien dieses Buches überträfen Alles, was jemals in der Geschichte jüdischer Sektirerei sich ans Licht gewagt habe, der Kampf dagegen sei daher die Sache eines jeden gläubigen Mannes in Israel, den Gesetzeskundigen und Rabbinern vollends von Glaubenswegen unabweisliche Pflicht. Die lapidare Erklärung, von der R. Naftali am 1. December 1713 R. Zebi eine Abschrift sendet, erschien Chages so bedeutungsvoll, daß er für deren schleunige und allgemeine Verbreitung Sorge zu tragen sofort sich angelegen fein ließ. Mittlerweile waren die ersten Briefe R. Naftali's in Amsterdam erschienen und vor Allem Chajjun selber unter die Augen gekommen, der nichts Eiligeres zu thun hatte, als in öffentlichem Proteste Alles, was darin enthalten war, zu leugnen und zu verhöhnen. R. Naftali war in guter Gesellschaft, war doch Chajjun mit der Lauge .seines Spottes über Männer wie R. Gabriel Eskeles und R. Leon Brieli hergefallen. Aus dem einst urbanen Manne, so lästerte Chajjun gegen R. Naftali, sei ein Dörfner, ein Tölpel geworden. Wenn das freche Wort einen Rückgang an Wissen, ein Sinken