Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 14)
- Language
- German
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— 136 — irre geführt worden, von Vorurtheil und äußerem Schein bestochen und geblendet, er hatte unbedacht und unbedenklich seine Approbation und seinen Namen ausgeliesert, aber das unheilvolle Buch, mit dem er jetzt sich unlösbar verkettet sah, war ihm nicht vorgelegt worden, von der Anlage und Einrichtung der zwei Commentare hatte er keine Ahnung gehabt, das Stück, in dem er den Kern des Buches vermüthet hatte, war ihm unverfänglich und der Billigung Werth erschienen^. Allein seine ursprüngliche Freundschaft zu dem Jrrlehrer sollte die Maßregeln wider ihn keinen Augenblick aufhalten oder mildern. Rücksichtslos wie gegen sich selber wüthend, war R. Nastali vom ersten Augenblicke, da die volle Erkenntniß seines Fehlers über ihn gekommen war, zu den härtesten Strafen gegen Chajjun und seine Bücher entschlossen, mochte er auch jede dieser Maßnahmen durch die unselige Beziehung, in die er selbst und sein Name zu ihm gerathen war, wie einen Schnitt ins eigene Fleisch empfinden. Das, was R. Zebi Aschkenasi aus dem seine Zustimmung verkündenden Buche ihm vorgelegt hatte, war nie vorher ihm unter die Augen gekommen, die in der Heftigkeit seines Entsetzens jetzt eine plötzliche Nacht zu verfinstern schien. Verzweiflüngsvoll rauste er sich das Haar, wie sollte er die Schande überleben, seinen Namen einem Buche geliehen zu haben, das an den Augapfel des Judenthums, an die Einheit und Reinheit seines Gottesbegriffes, mit frechem Muthe rührte. Vernichtung dieses Lügenwerkes, das war das Einzige, wonach jetzt seine Seele dürstete. Keine Deutelei und Ausflucht, keine Erklärung und Beschönigung des sabbatianischen Sendboten sollte angenommen werden. Das Einzige, was R. Nastali rathen konnte, war die unnachsichtige Verbrennung aller Exemplare des Lügenbuches, das R. Zebi mit Stumpf und Stil auszurotten fortan sich sollte angelegen sein lassen. Die Absicht, nach Prag zu reisen, war jetzt aufgegeben, Naftali's Denken fortan allein von dem Kampfe gegen Chajjun eingenommen. War doch Dank der Entschlossenheit und dem Feldherrnblick R. Zebi's wie seines treuen Knappen 1) Von einer ״Unwahrheit" R. Naftali's (G r a e tz a. a. O. LXXXHI) darf daher nicht gesprochen werden.