Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 13)
- Language
- German
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— 135 — Aber in der Nacht, die . sich da plötzlich um.seine Augen gelegt hatte, sah R. Nastali doch klar genug, daß hier vor Allem eine offene und entschiedene Absage ihn von der Verbindung mit dem Jrreführer trennen müsse, und so fand er in der Erschütterung und Verzweiflung seiner Seele noch die Fassung, wie durch ein Sündenbekenntniß vor dem Heldenhaften Glaubenseiferer in Amsterdam sich zu reinigen und sein Herz auszuschütten. In der traurigen Seelenverfassung vom 27. August 1713, da er über alle Schicksale seines leidenreichen Lebens von Neuem eine Heerschau zu halten veranlaßt worden war, in der man einen Stärkeren selbst, als er war, keiner klaren Gedanken hätte fähig halten mögen, schrieb er den ersten Briefs an den von ihm so hoch gewertheten, auch durch Bande der Verwandtschaft^) ihm nahestehenden R. Zebi Aschkenasi. Es war eine wirkliche Befreiung und Läuterung, was da im Gemüthe R. Naftali's vorging. Zerknirscht und gebrochen, von der furchtbaren Klarheit, mit der ihm da plötzlich seine Schuld aufging, bis ins Innerste bloßgestellt und reuevoll beschämt, hatte er jede Regung der Eigenliebe und Selbstbeschwichtigung ausgestoßen, erfüllt von dem Bewußtsein, daß es nur Eine Ueberwindung von Fehlern und Vergehen giebt, sie offen zu bekennen und innerlich sich davon loszusagen. Wie ein Feuerstrom brachen die Worte aus ihm hervor; der Brief, den er schrieb, wurde ein Spiegel der Vorgänge, die seit zwei Jahren sich abgespielt hatten. Er war 20,000 homiimm. Wie mir Herr Rabb. Dr. I. Fischer mitthellt, findet sich in cod. 765 des Prager Stadtarchivs die ausdrückliche Angabe, daß der erste Pestfall am 2. August sich ereignet habe und die ersten Maßnahmen gegen die Seuche bereits am 8. getroffen wurden. 1) Ich entnehme den Wortlaut der Briefe R. Naftali's einer alle Briefe und Streitschriften, die im Kampfe gegen Chajjun gewechselt wurden, enthaltenden Handschrift in meinem Besitze. 2) Die Beziehung der beiden Familien beruht darauf, daß R. Arjeh Loeb, der Sohn R. Sauls, der Enkel Rabbi- Heschels, von R. Zebi zu seinem Schwiegersöhne ausersehen wurde. R. Arje Lob, den R. Naftali in seinen Briefen an R. Zebi stets besonders begrüßt, war ein Vetter Jehuda Loeb's, des früh verstorbenen Schwiegersohnes R . Naftali Cohens. Vgl. Emdens -מגלת ספי ed. D. Kohn x. 65 ff.