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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 130

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
Date
1899-01-01
Page
Seite 130 (sequence 8)
Language
German
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— 130 — und Aufspürung von heimlichem Sabbatianismus gehörte vollends eine andere Geistesrichtung, als sie R. Nastali verliehen war. Er sah sich in den vorgelegten Proben im bekannten Fahrwasser der ihm geläufigen Kabbala. Der Untiefen sich nicht versehend, über die er da ahnungslos ׳dahingeglitten war, schrieb er am 5. November 1711 die Approbation, mit deren Erbittung Chajjun ihn beehrt hattet. Er war dem alten Fuchs in die Falle gegangen und fortan für ihn unschädlich und bedeutungslos. Die Maske konnte fallen gelassen werden. Aus den zwei Wochen waren Monate geworden. Die Sprödigkeit gegen die Ausstellung von Amuleten hatte ein rasches Ende genommen. Jetzt konnte er sich unbedenklich seines Verkehrs mit dem Himmel berühmen und Lästerungen ausstoßen, wie daß er den Thronwagen Gottes in sein Wohngemach herabgezwungen habe, mit dem Fürsten des Angesichts, mit Metatron traute Zwiesprache zu pflegen, ja mit Gott selber zu reden und die Engel seiner Nähe gleich Dienern bei sich verkehren zu lassen vermöge. Er hatte die Stirne, einen Brief, den ihm der Prophet Elia geschrieben habe, vorzuweisen und Kräfte sich beizulegen, mit denen er angeblich Todte zu erwecken, Welten zu zerstören und erstehen zu lassen im Stande war. Jetzt bedurfte er nicht länger des Strahlenscheines der Heiligkeit. Der eben noch blinde Greis erlustigtesich am I^'110n1dr6-Spiel und ließ es-sich, der Kasteiungen überdrüssig, bei üppigen Mahlen wohl sein. Nur die Blindheit seiner Gläubigen war nicht zu heilen, das Vertrauen seiner Anbeter nicht zu erschüttern. Immer kecker undsiegesgewisser wurde sein Auftreten. Seine Amulete sollten dem Tode den Stachel entwinden und Schutz gewähren selbst im Rachen der Gefahr. Die Rückkehr R. David Oppen- Heims hatte dem Taumel so wenig ein Ende gemacht, daß dieser selbst am 9. Februar 1712 eine Approbation seinen Schriften ausstellte und nahe daran war, im eigenen Hause die Autorität dem Eindringling abtreten zu müssen. Hatte doch wider den Rath und Willen des Familienoberhauptes sein Amulet es durchgesetzt, daß der Augapfel des Hauses, das einzige Kind Josef und Tolza Oppenheims, ein Knabe 1) Vgl. den Text im Anhang A REJ. XXXVI, 272 f.

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