Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Anan, der Stifter der karäischen Secte
Date
1899-01-01
Page
Seite 121 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111589--0498-3111758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 121 sein und mit den dortigen frommen Männern, seufzende und wehklagende genannt (D’p^m a*nmi Ezech. IX, 4), die von jeher das Karäerthum heimlich bekannt, sich vereinigt haben, nachdem sie ihn zum Oberhaupt gewählt hätten. Nach seiner Verordnung sollen die Mitglieder seiner Gemeinde auf ihr Eigenthum und auf alle weltlichen Dinge Verzicht geleistet haben; in Säcke gehüllt, mit Asche auf dem Haupte, sollen sie fortwährend Klagelieder an den Thoren Jerusalems recitirt haben. Nach einem anderen karäischen Berschen soll der Häresiarch nicht solche asketischen Gesinnungen gehegt haben. Im Gegentheil soll er vom Chalifen Omar im Jahre 640 n. Ehr. (!) die Erlaubniß erhalten haben, in Jerusalem eine karäische Gemeinde zu konstituiren und eine Synagoge zu erbauen. Am weitesten ging der bekannte, im Jahre 1874 verstorbene Karäer Abraham Firkowitz, der sein ganzes Leben bemüht war, durch allerlei Erfindungen und Fälschungen die Vorfahren der Karäer, gewissermaßen die Präkaräer (nicht Sadduzäer), als den Grundstock der hebräischen Nation darzustellen, aus deren Mitte sich eine unbedeutende Rabbaniten- Fraktion gebildet haben soll, welche durch Mord und Hinterlist die Karäer ausgerottet hätte. Auch über An an hat dieser Karäer einen ganzen Roman zusammengefabelt. Nach diesem Roman sollen die Karäer während der Dauer des zweiten Tempels unvermischt mit den Rabbaniten in Jerusalem gewohnt haben. Von den Makkabäern auf kurze Zeit von dort verdrängt, kehrten sie bald dorthin zurück, wo sie auch nach der Zerstörung des Tempels gewohnt und ihre eigenen Fürsten (a’Knw) gehabt hätten. Als An an dä-Haß der Rabbaniten, die chn ermorden wollten, erkannt habe, sei er mit seinen Schülern nach Jerusalem gezogen, wo er sehr günstig von dem Schwiegersöhne des Propheten Mohammed ausgenommen worden sei und ein Privilegium zum Bau einer Synagoge mit der Unterschrift Mohammeds erhalten habe. Nachher, im Jahre 640 n. Ehr., soll der Chalif Omar dem An an das Privilegium zum Bau einer zweiten Synagoge, gegenüber der Westmauer des Tempels ('J'.pö ^mn) gegeben haben. Auch soll Anan in Jerusalem achtzehn Straßen, von mehr als hundert Häusern, in Hebron eine Synagoge und eine große Straße von mehr als dreißig Häusern errichtet haben. Am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.