Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Anan, der Stifter der karäischen Secte
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 16)
- Language
- German
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Ende jedoch sei An an von den Rabbaniten ermordet und auf dem Berge Moria begraben worden. Rabbinischerseits wurden keine derartigen Extravaganzen zugelassen, nur behaupteten manche, daß Anan und seine Genossen Schriften mit häretischer Tendenz in die Erde zu vergraben, nach einiger Zeit herauszunehmen und als alte Schriften auszugeben pflegten. Auch auf manchen kabbalistischen Büchern ruhte schon früh der Verdacht, daß dieselben von Karäern absichtlich den Rabbaniten untergeschoben worden waren. Auch ein, wie es scheint, apokrypher Spruch wird Anan zugeschrieben. Er soll nämlich den Wunsch geäußert haben, alle Rabbaniten in seinen Leib eingeschlossen zu haben, um dann mit einem Schwertstreiche seinen Leib durchzuschneidenund somit ihrem Leben zugleich mit seinem eignen ein Ende zu machen! Daß Anan kein zärtliches Gefühl für seine Gegner hegte, ist selbstverständlich, auch gab er seinem Gefühle z. B. in der Verordnung Ausdruck, daß die Karäer am Wochenfeste den Psalm LXXIV, der nach seiner Deutung gegen die Rabbaniten gerichtet sein soll, zu recitiren. Er deutete nämlich: V. 4 „Deine Feinde schrieen über deine Feiertage und setzen eigene Zeichen für dieselben ein" ssie schaffen nämlich die von Gott befohlene Mondbeobachtung ab v. 8:] „sie vernichten alle von Gott festgesetzten Feiertage". Indessen wird der Stifter des Karäerthums schwerlich den angeführten Wunsch geäußert haben, und zwar schon deshalb, da es doch viel praktischer gewesen wäre, für die gewünschte Operation statt seines eigenen Leibes den eines Rabbaniten zu^uählen.