Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Anan, der Stifter der karäischen Secte
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 14)
- Language
- German
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— 120 Fragment davon, aus sechs theils beschädigten Fragmentblättern bestehend, in einem in Kairo erworbenen Th eile des Talmuds zu entdecken; seitdem suchte er alle wörtlichen und inhaltlichen Citate aus den Werken von altkaräischen Autoren zu sammeln, besonders in den karäischen Handschriften der Kaiserlichen öffentlichen Bibliothek in Petersburg. Das Resultat dieser langjährigen Forschung ist im Obigen summarisch auseinandergesetzt. Es muß noch bemerkt werden, daß An an in seinem Werke, wahrscheinlich in der Vorrede zu demselben, mit folgender bescheidener Mahnung an seine Parteigänger sich wandte: „Forschet in der Thora gründlich und verlaßt Euch nicht auf meine Meinung" (Tjn byvjyvn bw Schwerlich kann dieser Ausspruch im Sinne der gewöhnlichen schüchternen Verwahrung bei den Rabbinen, daß man in der praktischen Ausübung des Gesetzes (nwvsb sich ausschließlich auf ihre Autorität nicht verlassen möchte, aufgesaßt werden; einem Manne, der sich muthig, ja sogar übermüthig herausnimmt, das günze Gebäude einer mehr als tausendjährigen Tradition umzustürzen und ein eigenes neues an dessen Stelle aufzurichten, paßt doch nichts weniger als ein solch furchtsam-schüchternes Bedenken. Eher wird dieser Vorbehalt vorsichtigerweise zur Selbstvertheidigung für den Fall, daß die Gesinnungsgenossen die schwachen Seiten der neuen Gesetzgebung bemerken oder die Gegner diese aufdecken sollten, vorausgeschickt worden sein. Die sonderbaren Schicksale Ananas, indem er von der unmittelbaren Nähe des Exilarchen-Thrvnes in den Kerker gesteckt und zum Tode^von Henkershand verurtheilt worden, dann wundersamerweise gerettet, in der Gunst des Chalifen rehabilitirt und zum Stifter einer neuen Sekte geworden war — lieferten Stoff genug für Legendenbildung; kein Wunder also, wenn die Volksphantasie der Anhänger und Gegner des Helden sich dieses Stoffes bemächtigte und fabelhafte Erzählungen über chn erfand. In karäischen und karäisch-mohammedanischen Quellen finden wir folgende legendäre Berichte: An an soll eine Abschrift des Deuteronomium (min besessen haben, die von dem eigenhändigen Exemplar des Moses genommen worden sei. Nach der Befreiung des Häresiarchen soll er nebst allen seinen Anhängern nach Jerusalem übersiedelt