Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Anan, der Stifter der karäischen Secte
Date
1899-01-01
Page
Seite 119 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111589--0496-3111756
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

119 — nach der Entstehung des Christenthums und des Islam, mit denen die Sektirer mehr oder weniger zu liebäugeln pflegten, nicht mehr austecht erhalten werden. An an, wie wir oben sahen, hat sogar den Glauben an die Seelenwanderung angenommen. Andererseits berichtet Saadia Gaon, daß der Stifter des Karäerthums den biblischen Ausspruch: „Das Blut ist die Seele" (Levit XVII, 11) buchstäblich genommen habe. Auf welche Weise An an diese anscheinend sich widersprechenden Ansichten auszugleichen suchte, ist jetzt unbekannt; vielleicht gehörten diese zwei Ansichten zweien verschiedenen Zeitepochen seines Lebensalters an. Es ist demnach kein Wunder, daß unparteiische Leute, geschweige deun die Gegner, das Grundbuch der Karäer, das Anan'sche Gesetzbuch, welches in Sprache, Stil und Manieren den Talmud ganz nachzuahmen sucht, als eine schlechte, verwerfliche Parodie auf den letztern betrachteten, und daß man auch in antirabbinischen Kreisen allmählich zu demselben Urtheil gelangte. Wenn auch solche offenherzige, rücksichtslose und strenge Männer, wie Daniel Alkumisi (um die Hälfte des IX. Jahrhunderts) eines der Häupter der Sekte, der anfangs den Anan sehr hochachtete und ihn das Haupt der Weisen (D^rtPön tr*n), nachher aber ganz enttäuscht wurde und denselben das Haupt der Dummköpfe (crSton tr*o) zu betiteln pflegte, unter den Karäern nicht viele waren, so theilten doch offenbar die meisten unter ihnen seine Meinung über das Anan'sche Werk; denn sonst wäre ja die Thatsache unerklärlich, warum das Gesetzbuch, welches bestimmt war, die Grundfeste der neuen Sekte und ihre Magna Charta zu werden, bald nach dem Ableben seines Verfassers von den Sekttrern ganz vergessen worden ist, so daß wir jetzt mit großer Mühe Bruchstücke daraus gleichsam ausgraben müssen. Dieser Umstand allein beweist zur Genüge, in welche Vernachlässigung und Mißachtung das Buch auch karäischerseits verfiel; von den vielen tausenden Gesetzen, die das Buch enthält, citirt z. B. I ehuda H adaßi (im Eschkol Hakofer) drei, Elias Beschizi (im Aderet Elia) zehn, wobei noch die Ansicht An ans in der Regel bestritten wird. Bis vor Kurzem war von An ans Gesetzbuche selbst nichts bekannt; erst im Jahre 1886 gelang es dem Schreiber dieses, ein kleines

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.