Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Anan, der Stifter der karäischen Secte
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 12)
- Language
- German
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— 118 — sam die Konstituirung seiner Sekte als neue Konfession zu rechtfertigen. Dahin gehören z. B. die Bestimmung, daß statt des Schwagers der kinderlosen Wittwe, wie bei den rabbinischen Juden, ein Verwandter dieselbe heirathen muß (das Wort Brüder, aebim, Deuteron. XXV, 5. deutete er Verwandte); das Verbot des Coitus am Sabbath deutete er heraus aus dem Bibelverse: im Pflügen sollst du feiern Lsoburisob bisebbot Exod XXXIV, 21). F. Manche Prinzipien und Lehrmeinungen entlehnte Anan von den mohammedanischen Sekten. Von dem Einflüsse, welchen Abu Hanifa auf ihn ausgeübt hat, war schon oben die Rede, von der mohammedanischen Sekte der Rawenditen, die zu Ana ns Zeit entstanden war, borgte er den Glauben an die Seelenwanderung, welchen Glauben jene Sekte aus Indien herübergenommen hat, und Anan soll zur Vertheidigung dieses Glaubens eine besondere Schrift verfaßt haben. 6-. Für alle seine Entlehnungen aus dem rabbinischen Schriftthum, von jüdischen Sekten, ebenso wie für seine eigenen Erfindungen, war Anan immer bestrebt. Beweise aus ber Bibel beizubringen. Zur Deutung des Bibelwortes bediente er sich der rabbinischen nomokononischen und exegetischen Regeln (Midot), besonders häufig gebrauchte er die Wortanalogie (Gr’sera scbawa) und die Sachanalogie(Elebeseb^ Na muzunub), und öfters trieb er diese Regeln ad absurdum (z. B. statt der Wortanalogie setzte er die Buchstabenanalogie!)' aber durch den gänzlichen Mangel an grammatischen undphilosophischen Kenntnissen verfiel er häufig auf absonderliche und lächerliche Deutungen. EL Was die Dogmatik anbelangt, so hat Anan die des traditionellen Judenthums angenommen, da schon die vorangehenden Sekten nichts gegen dieselbe einzuwenden hatten. Höchst wahrscheinlich hatten schon die Ueberbleibsel der alten Sadduzäer die Opposition ihrer Vorfahren gegen den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung der Toten und den Messias ganz aufgegeben. Von den Samaritanern wissen wir positiv, daß sie alle diese jüdischen Dogmen nach und nach angenommen haben. Uebrigens konnte die Opposition