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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 116

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Anan, der Stifter der karäischen Secte
Date
1899-01-01
Page
Seite 116 (sequence 10)
Language
German
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— 116 Um den rabbinischen Kalenderberechnungen den erlaubten Boden zu entziehen, hat An an die Astronomie in das biblische Verbot der Astrologie und der Sterndeuterei eingeschlossen. Noch mehr Feindseligkeit gegen die Wissenschaft bekundet An an in seinem Verbote ärztlicher Hilfe und des Gebrauches von Arzneien: da es heißt (so räsonnirte er): „ich Gott bin dein Arzt" (Exod. XV, 26), so ist damit jeder Arzt und jede Arznei ausgeschlossen! Trotz der zur Schau getragenen toleranten Aeußerungen über die Stifter des christlichen und» mohammedanischen Glaubens verschärfte An an sehr bedeutenddie rabbinischen Verordnungen, welche die Absonderung von den Nicht-Israeliten bezweckten, hauptsächlich in Betreff der Speisegesetze. Anan legte die Pflicht auf, nicht nur von Gewächsen^ sondern auch von Metallen und Mineralien den Zehnten zu geben. Der biblische Ausdruck: „Der Zehnte der Erde" (Levit XXVII, 30) bedeutet nach seiner Meinung alle Produkte des Erdbodens überhaupt. Aus der vorhergehenden Zusammenstellung Ananffcheu Gesetzverordnungen, die keineswegs erschöpfend ist, kann man leicht ersehen, weß Geistes Kind ihr Urheber war und welchen Richtung er folgte. Mit großem Rechte konnte er sich zu den rabbinischen Juden mit dem Spruche des Königs Rehabeam wenden: „Die Väter erschwerten Euer Joch und ich werde noch zu diesem Joche hinzufügen?" (I Reg. XU, 11.14). Dies alles erklärte sich nach einem neuestens aufgefundenen karäischen Bericht daraus, daß Anan zu den Asketen (?6ru8ebina) und den um Zion trauernden (Abele-Zion) gehörte. Wenn auch die Nachricht, daß er selbst nach Jerusalem übersiedelte^ eine späte tendenziöse Erfindung ist, so ist doch wahr, daß nach wenigen Generationen seine treuen Anhänger, die Ananiten genannt wurden, keinen andern Ausweg fanden^ als sich nach Jerusalem zu begeben, um als weltentsagende Einsiedler eine Art Asketenleben zu führen. Diejenigen Sektirer aber, die der Welt nicht entsagen wollten, waren gezwungen, den Ananismus aufzugeben und von ihm nun die antirabbinische Tendenz und einige andere Prinzipien zu behalten. Wenn wir die Ananffche Gesetzgebung auf chre verschiedenen Elemente prüfen und auf die Quelleu

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