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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 108

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Anan, der Stifter der karäischen Secte
Date
1899-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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— 108 — befand. Auch die wenigen Reste der alten sadduzäischen Sekte rafften sich in jener bewegten Zeit auf, um für ihre antipharisäischen Ansichten eine Lanze zu brechen, wobei sie sich auf eine angeblich von ihrem Stifter Zadok verfaßten Schrift beriefen; aber fast alle vor An an entstandenen Sekten hatten nur eine ephemere Existenz; nur einige Bedeutung gewannen damals die nach Abu-Jsa und seinem Schüler Judgan benannten Sekten der Jsowiten und Judganiten, die zuerst Suddazäisches in ihr Religionssystem ausgenommen und tolerante Ansichten über die Stifter des Christenthums und des Islam geäußert haben. Doch alle diese antirabbinischen Elemente hätten gewiß das Schicksal aller anderen religiösen Neubildungen jener Zeit im Judenthum getheilt und wären bald der Vergessenheit verfallen, wenn nicht die damaligen Umstände und die politische Lage der Juden im Chalifate einen ehrgeizigen und entschlossenen Mann vorgerückt hätten, für welchen dazu noch die Stiftung einer, neuen Sekte zur Lebensstage im buchstäblichen Sinne des Wortes geworden ist. Dieser Mann war Anan ben David, der Prätendent auf das höchste Amt im Judenthume: das Exilarchat. In den sechziger Jahren des VIII. Jahrhunderts, nach dem Ableben des Exilsfürsten Jsak-Jskani (nicht Salomon), hatten das Anrecht auf die Nachfolge zwei Brüder, die Söhne seines nächsten Verwandten (vielleicht Bruders) David. Der ältere von diesen Brüdern, Namens Anan, scheint längere Zeit in Persien oder in den Grenzgebieten, der Pflanzstätte der damaligen jüdischen Häresien, sich aufgehalten zu haben, was natürlich nicht ohne Einfluß auf sein späteres Verhalten zum traditionellen Judenthum war. Auch soll er sich durch sein unbescheidenes und hochfahrendes Auftreten bemerkbar gemacht haben. Zwar waren seine Kenntnisse in der rabbinischen Litteratur viel ausgebreiteter als die seines jüngeren Bruders Chananja; letzterer war dagegen viel bescheidener, sanfter und gottesfürchtiger. Als Anan daher vom Osten in die neuerbaute Hauptstadt des Chalifats - Bagdad (erbaut 763 und den folgenden Jahren) gekommen war und seine Ansprüche auf die Würde des Exilarchats geltend machte, fand er in den babylonischen Akademien, bei den Gaonen und den einflußreichsten Notabeln der Residenz keinen Anklang. Sein

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