Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Anan, der Stifter der karäischen Secte
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 107 (sequence 1)
- Language
- German
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(767—770 n. Chr.) *) Von A. A^ie Epoche vom Ende des VH. bis zum Ende des VIII. nachchristlichen Jahrhunderts war im islamischen Orient, nachdem der große Eroberungsstürm sich gelegt hatte, eine der bewegtesten auf dem geistigen Gebiete. Die Kollision der grundverschiedenen Kulturen: der altarabischen, der hebräischen, der griechisch-syrischen und der persisch-indischen, deren Sitze nun das Chalifat ausschließlich beherrschte, brachte eine gewaltige Erschütterung der geistigen Atmosphäre hervor, infolge dessen eine große Anzahl geistiger Meteoriten sich bildete, in Form von größeren und kleineren Religionssekten, von denen, die dem krassesten Anthropomorphismus und dem Fatalismus huldigten, bis zu den Anhängern des extremen Skeptizismus. Auch entstanden mehrere vermittelnde, interkonfessionelle Sekten, die bald von diesem, bald von jenem Bekenntnisse, von dieser und jener Geistesrichtung die Bestandtheile ihres eigenen Glaubenssystems entlehnten. Nach dem bekannten Ausspruche: „wie es sich christelt (und islamelt), so jüdelt es sich," spiegelte sich diese mächtige Geistesgährung ab bei der zahlreichen jüdischen Bevölkerung der persisch-mesopotamischen Grenzgebiete, welche Bevölkerung damals noch nicht in festem Zusammenhänge mit den babylonisch-talmudischen Akademien sich *) Hauptsächlich nach meinen Studien im russ. Journal Wos' chod (1896—98), wo die Belege mitgetheilt sind.