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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 102

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 102 (sequence 20)
Language
German
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102 — ausschließlich die Mischnah R. Jehudäh ha-nassi's, nnd eine zweite, welche auch die von ihm eliminirten Partieen, die Baraithoth berücksichtigt wissen wollte. Das in diesem Kreise der Patriarch Gamaliel HI. als Präsident der Methibtha keine hervorragende Rolle spielen konnte, braucht nicht erst gesagt zu werden. Sepphoris wurde jedoch bald von Tiberias überflügelt. In Tiberias, der Hejmath Ben Asai's lebten besonders seit der Zeit R. Simon ben Jochai's sehr viele Gelehrte, von denen nur der Baraitha-Sammler R. Hoschijah genannt sein möge; zur Berühmtheit gelangte Tiberias erst durch R. Jochanan und seine Schüler. Die Schule R. Jochanans stellte schon dadurch, daß sie die Sammlung der amoräischen Erklärungen in Angriff nahm, auch die andern Schulen in Parwad im Süden Judäas, in Neve und Cäsarea in Schatten. Ob es in Palästina auch regelmäßige Kallah-Sitzungen gegeben? Mit apodiktischer Gewißheit läßt sich das nicht behaupten; daß aber die kleineren Lehrhäuser mit der Hochschule in Tiberias in regem Verkehr standen, solange die Juden der Religionsffeiheit sich erffeuten, kann nicht bezweifelt werden. Kaum aber war das Christenthum zur Staatsreligion erhoben worden, begann auch schon durch die Verfolgungen der Verfall der Lehrhäuser. Mit dem Untergang der Tiberiensischen Hochschule war nun das Schicksal des jer. Talmuds besiegelt, und er blieb trotz aller späteren Versuche, ihn abzuschließen, ein Torso. Darüber darf man auch gar nicht erstaunt sein. Man lege sich nur einmal die Frage vor, in welcher Verfassung wohl der babyl. Talmud auf uns gekommen wäre, wenn die Sammlung der amoräischen Erklärungen etwa im Jahre 340 einen jähen Abbruch erlitten hätte. Der jer. Talmud ist ein Rohbau, der, weil nicht rechtzeitig unter Dach gebracht, durch der Zeiten Stürme furchtbar viel gelitten hat. Der babylonische Talmud hingegen ist ein architektonisches Meisterwerk, dessen Riesenmauern während dreier Jahrhunderte aus Graniffteinen aufgeführt wurden, ein Bau, an welchem, man selbst nach seiner Vollendung noch weitere 150 Jahre gearbeitet hat. Als nämlich R. Aschi im Jahre 427 die Augen schloß, war der babyl. Talmud im Großen abgeschlossen, aber ganz unten Dach wurde er erst 73 Jahre später von Rabina II. gebracht.

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