Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Hochschulen in Palästina und Babylon
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 19)
- Language
- German
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— 101 — Sura, wo Rab seine Hochschule gegründet hatte; vorübergehend auch Panbeditha, wohin nach der Zerstörung Nehardea's durch Odenath die Hochschule Mar Samuells verlegt wurde. Die Zahl der um den Präsidenten in den Kallah - Monaten sich versammelnden Gelehrten war nicht immer dieselbe; unter Rabbah ben Nachmani soll sie 12 000 betragen haben. Der Talmud (33. M. 86 a) nämlich berichtet, daß Rabbah bei der Regierung denunzirt worden sei, er trage die Schuld daran, daß sich Tausende der Kopfsteuer entziehen. Jedenfalls ging die Zahl der versammelten Gelehrten und Jünger zusammen in ruhigen Zeiten nach Hunderten, und so wurden, noch bevor R. Aschi Resch Methibtha in Sura geworden, 150 Jahre hindurch die Bausteine des Talmuds nicht allein gemeißelt, sondern auch allrnählig übereinander geschichtet. Wieviel man jedes Mal durchgenommen und geordnet hat, ist heute nicht mehr festzustellen. Selbst was Scherira Gaon im Anschluß an eine Notiz des Talmuds (33. 33. 157 b) über die redaktionelle Thätigkeit R. Aschi's berichtet, daß er nämlich während seines 60jährigen Rektorates den ganzen Talmud zweimal durchgenommen, insofern für jedes Semester ein Traktat, gleichviel ob das Pensum klein oder groß war, selbst diese Darstellung ist nicht buchstäblich zu nehmen. Wir besitzen ja blos zu 40 von 63 Traktaten der Mischnah babylonische Gemara, und daß 20 Traktate des babylonischen Talmuds verloren gegangen sein sollen, ist bei der Sorgfalt, welche Amoräer, Saboräer und Gaonen der ganzen Sammlung stets angedeihen ließen, fast völlig ausgeschlossen. Anders freilich als mit dem babyl. verhält es sich mit dem jerus. Talmud; doch sind hierfür die traurigen Zeitverhältnisse und nicht die Schulen verantwortlich zu machen. Auch in Palästina, wo die Nachkommen des Mischnahredakteurs bis zum Jahre 425 die Patriarchenwürde bekleideten, war die Halachahsammlung Rabbi's zur ausschließlichen Herrschaft gelangt. Sepphoris blieb auch zu Anfang der Amoräer- Epoche der Hauptsitz jüdischer Gelehrsamkeit; denn hier lehrten R. Chanina, R. Jannai und die beiden Söhne des Baraitha-Sammlers R. Chijjah, Jehudah und Chiskiah; hier entstanden von vornherein zwei Richtungen, die eine, welche