Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Hochschulen in Palästina und Babylon
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 18)
- Language
- German
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— 100 Akademie mit dem Vorsitzenden nach wie vor 71 Mitglieder hatte. In Babylon, über dessen ftühestes Schulwesen die Sage umsomehr zu erzählen weiß, je beharrlicher die Geschichtsquellen darüber schweigen, muß es auch während des Tempelbestandes Gelehrten-Schulen gegeben haben. Man ist sogar zu der Annahme berechtigt, daß die Hauptquelle halachischer Gelehrsamkeit in Babylon gewesen. Man vergesse nicht, daß Hillel, R. Nathan und R. Chijjah, Babylonier gewesen, daß sie alle ihre Gesetzeskunde aus der Heimath mitgebracht haben. In den Vordergrund jedoch tritt Babylon erst mit dem Beginn der Amoräer-Epoche und zwar erlangte es bald nach der Rückkehr Rakis aus Judäa das Uebergewicht. Wohl zogen noch immer lernbegierige Jünger nach dem hl. Lande, um an den alten Stätten der Halachah - Forschung ihren Wissensdurst zu stillen, aber es kamen doch andererseits wieder palästinische Gelehrte nach Babylon. Die Schulen beider Länder standen in einem regen Gedanken - Austausch; der babyl. Talmud enthält ebensoviele, wenn nicht noch mehr Aussprüche von R. Jochanan und R. Lakisch als der palästinensische von Rab und Samuel. Umso selbstverständlicher war es, daß die Schulen eines jeden Landes unter sich einen festen Anschluß suchten. Dieser kam einfach dadurch zu Stande, daß die Mitglieder der verschiedenen Hochschulen — es gab zu einer Zeit vier Hochschulen: Sura, Pumbeditha, Silhi und Schakan-Zib; nur zur Zeit Rabats war Machuza die einzige — im letzten Winter- und Sommermonate an der Haupt-Akademie zusammenkamen, um das in den voraufgegangenen fünf Monaten in den einzelnen Lehrhäusern Vorgetragene, also die verschiedenen Erklärungen der Mischnah, einer gemeinsamen Diskussion zu unterziehen. Im engeren Sinne verstand man unter Methibtha diejenige, in welcher die Kallah, d. h. die Repräsentanz aller Hochschulen je einen Monat im Semester tagte. Es gab demnach im engeren Sinne nur einen Resch Methibtha, nur einen Präsidenten der Akademie, welcher, wie früher der Resch Sidra, neben dem Exilarchen, dem politischen Oberhaupte der babylonischen Juden, als ihr religiöser Führer galt. Der Vorort dieser Kallah-Sitzungen war während der Amoräerzeit in der Regel