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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 99

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 99 (sequence 17)
Language
German
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99 war allerdings eine harte und schwere Buße; ich meine nicht die Auswanderung, sondern die geforderte Schweigsamkeit. Doch R. Kahana nahm sie auf sich, er ging nach Tiberias und gelangte in das Lehrhaus R. Jochanan's gerade als R. Simon den Lakisch den Vortrag, welchen der Präsident soeben gehalten, der versammelten Akademie nochmals laut vortrug. Gegen diese Ausführungen hatte R. Kahana sehr viel auf dem Herzen. Wo ist er, dieser Resch Lakisch, rief er laut; und als die Mitglieder der Hochschule hierüber erstaunt nach seinem Begehr fragten, setzte er ihnen auseinander, was er alles zu bemängeln und einzuwenden habe. Das wurde sofort dem R. S. b. L. gemeldet, und dieser wieder hatte nichts Eiligeres zu thun, als R. Jochanan zu sagen, er möge, da ein Löwe aus Babylon eingetroffen, auf den morgenden Vortrag recht gründlich sich vorbereiten. Selbstverständlich mußte man diesen babyl. Gelehrten, welcher an dem gestrigen Vortrage eine scharfe Kritik geübt hatte, in die erste Reihe setzen; indeß R. Jochanan mochte noch so lange sprechen, der Gast hüllte sich dennoch so beharrlich in Schweigen, daß man ihn aus der ersten Reche heraus nicht blos hinter die ersten sieben, sondern in die allerletzte beförderte. Dein babyl. Löwe, sagte R. I. spöttisch zu R. L., ist ein Fuchs; der mag wohl schlau sein, gelehrt ist er sicherlich nicht. R. Kahana jedoch empfand diese Zurücksetzung als eine Schmach, die ihm ebenso auf der Seele brannte wie die Qual, 7 Jahre hindurch schweigen zu müssen, und er glaubte darum mit der ihm auferlegten Buße fertig zu sein. Was man diesem Babylonier in Tiberias angethan, war einem Hinauswerfen nicht ganz unähnlich, aber er hatte sich doch nicht den Hals gebrochen. Im Gegentheil, er erhob jetzt kühn das Haupt, er stellte Fragen und zeigte seine Ueberlegenheit in solch auffallender Weise, daß man ihn bald wieder in die erste Reihe setzte. Wir ersehen aus dieser Erzählung, daß R. S. b. L. ein Resch Kallah bei R. Jochanan gewesen, d. h. einer der Scholarchen, welchen die Pflicht oblag, den Vortrag des Rektors mit lauter Stimme zu wiederholen; ferner daß die Gelehrten in sieben Reihen saßen, oder was dasselbe ist, daß die

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