Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Hochschulen in Palästina und Babylon
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 16)
- Language
- German
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98 aller Würdigung der Verdienste ihres Redaktors doch als eine Schöpfung nicht seiner, sondern der jüdischem Hochschule im allgemeinen angesehen werden. Die Prävalenz, die R. S. b. G. auf Grund der ererbten Patriarchenwürde für das seiner Leitung unterstehende Lehrhaus vergeblich anstrebte, hat sich sein Sohn R. Jehudah nicht durch Trotz, nicht durch Kämpfe, sondern durch profunde Gelehrsamkeit und kluges Vorgehen errungen. Gerade der Umstand, daß die Persönlichkeit des Patriarchen hinter die Riesenarbeit der meisterhaft redigirten Mischnah ganz bescheiden zurücktritt, hat nicht zum wenigsten dazu beigetragen, daß die in seiner Hochschule entstandene Halachah-Sammlung die in verschiedenen Lehrhäusern auf verschiedene Weise vorgetragenen Mischnah - Ordnungen in verhältnißmäßig kurzer Zeit ganz verdrängte. An die Stelle der Traditionslehrer war die Traditions lehre getreten, und damit war das Zeitalter der Tannaiten abgeschlossen. Diese der pentateuchischen Lehre an die Seite gestellte Mischnah erwies sich aber sofort vermöge ihres Tiefgehaltes auch in dem Sinne als „die zweite Lehre", daß sie gleich der ersten nicht einfach gelehrt, sondern zugleich auch erklärt werden mußte. Den jüdischen Hochschulen war nun eine neue Aufgabe gestellt: die Mischnah zu erklären und zu erläutern, und aus diesen Erklärungen und Erläuterungen heraus die im Lauf der wechselvollen Zeiten auftauchenden neuen religiösen Fragen und Probleme zu beantworten und zu lösen. Dieser Aufgabe entledigten sich die Amoräer sowohl in Palästina als auch in Babylon in bewunderungswürdiger Weise, indem sie rechtzeitig darauf Bedacht nahmen, die in den einzelnen Lehrhäusern vorgetragenen Erklärungen einheitlich zu gestalten. Der babyl. Talmud erzählt uns (B. K. 117 a) ein Vorkommniß, welches einen Einblick in das Wesen der Hochschulen beider Länder gestattet. Rab. Kahana, ein ordentliches Mitglied der Akademie in Sura hatte in seinem Eifer, Rab von der Anwesenheit eines ftechen Gesellen zu befteien, diesen unsanft hinausbefördert und ihm das Genick gebrochen. „Du mußt auswandern", sprach Rab zu R. Kahana, „und ich lege Dir die Buße auf, in der Hochschule R. Jochanans sieben Jahre zu sitzen, ohne auch nur ein einziges Mal eine Frage zu stellen." Das