Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Hochschulen in Palästina und Babylon
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 15)
- Language
- German
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97 daß es sowohl an Qualität als auch an Quantität das andere überragt, dieser Satz, welcher irnLehrhause R. S. b. G/s. zur Norm erhoben wurde, hätte absolut keinen Sinn, wenn in diesem Lehrhause 71 Chachamim zu finden gewesen wären; denn ein größeres Synhedrion als das aus 71, eine größere Majorität als die von 71 ist ganz irrelevant. Zu ihrer vollen Bedeutung gelangte die vom Patriarchen geleitete Hochschule erst unter dem Sohne R. S. b. G's, unter R. Jehudah Ha-Nassi. Dieser verstand es, zwischen den anderen und seiner Hochschule ein ähnliches Verhältniß anzubahnen, wie es einmal zwischen dem großen Synhedrion und den Lokalgerichtshöfen bestanden hatte. In langen Rechen saßen Gelehrte und Jünger vor chm, er besaß eine Autorität, die ein Jahrhundert vorher vielleicht mächtig genug gewesen wäre, den ursprünglichen Plan seines Großvaters zu verwirklichen und die Controversen aus der Welt zu schaffen. Aber hierüber war die Zeit längst hinweggegangen. Die Halachah-Sammlungen, die zuerst R. Akiba und dann dessen Schüler R. Meir angelegt hatte, waren ihrem ganzen Umfang nach Gemeingut der jüdischen Gelehrtenwelt geworden, . und in diesen Sammlungen hatten die Minoritätsvota eine viel zu große Beachtung gefunden, als daß R. Jehudah Ha-Nassi es hätte wagen dürfen, sie zu eliminiren. Er war aber auch weit davon entfernt, die Bestrebungen seines Vaters und Großvaters zu den seinen zu machen. Er begriff es vollkommen, daß die xsr majora gefaßten Beschlüsse des Lehrhauses nicht als für alle Ewigkeit bindend angesehen werden dürfen, daß vielmehr Zeiten kommen können, in denen das Votum der Minorität eine Majorität finden werde. Die im Fluß begriffene Tradition sollte nicht in steifen Paragraphen erstarren; deshalb lehnte er sich bei der Redaction der Mischnah an die leuchtenden Vorbilder der Vergangenheit, an seine zwei großen Vorgänger an, um dem jüdischen Volk nicht einen Gesetz-Codex, sondern gleichsam eine Entwicklungs- Geschichte der Tradition zu geben. Die Mischnah, die ihrem Stoffe nach zum weitaus größten Theil aus der Zeit vor der Tempelzerstörung stammt, ist, soweit es sich um die Form handelt, ein Produkt der palästinensischen Lehrhäuser, wie diese sich nach der Zerstörung gestaltet haben; sie muß bei 7