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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 96

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 96 (sequence 14)
Language
German
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96 Aber es kamen die Hadrianischen Edikte, es kam der Bar Kochba-Krieg, es kam der Fall Bethars, und mit der gewaltsamen Schließung aller Hochschulen war weit mehr als nach dem Fall Jerusalems die Existenz des jüdischen Volkes in Frage gestellt. : Die Hadrianischen Verfolgungsgesetze hat R. Gamaliel nicht mehr erlebt, und sein Sohn Simon wurde, obgleich er noch viel zu jung war, um ihm in der Patriarchenwürde folgen zu können, trotzdem mit dem Tode bedroht. Nur durch die Judenfreundlichkeit eines römischen Beamten, der die Bedeutung des hebräischen Wortes Nassi kannte, entging der junge Patriarchensohn dem Verderben. Der Römer nämlich trat, wie der Talmud erzählt (Taanich 29 a), in das Lehrhaus mit dem Ruse: „Der Nasen-Mann wird gesucht!" (Vir Nasi qnaeritur), und R. S. b. G., der den Wink verstanden, flüchtete wahrscheinlich, gleich den sieben Jüngern R. Akibas, nach Babylon. Das längere Interregnum war keineswegs geeignet, die Bestrebungen der Gelehrten nach einer größeren Unabhängigkeit vom Patriarchen einzudämmen; und in der That brachen bald nach der Aufhebung der Hadrianischen Edikte die alten Zwistigkeiten von Neuem aus. In Uscha, wo der Versuch gemacht wurde, die in Verfall gerathene Tradition wieder zu beleben, suchen wir R. S. b. G. vergeblich. Er hatte es vorgezogen, nach Jamnia zu gehen, aber Niemand folgte ihm, und um nicht isolirt zu bleiben, mußte er sich doch in Galiläa niederlassen. Als Patriarch war er selbstverständlich der Präsident der Hochschule, in der Männer saßen, die ihn an Gelehrsamkeit weit überragten; und da er noch mehr als sein Vater die Machtvollkommenheit seines Collegiums betonte, ließen ihn seine Gegner ihr Uebergewicht in unsanfter Weise fühlen. Nach ziemlich heftigen Auseinandersetzungen verließen zwei sehr bedeutende Männer, R. Meir und der aus Babylon eingewanderte R. Nathan die Hochschule des Patriarchen. Es mag nun zweifelhaft sein, ob das Collegium zu Uscha vor dieser Secession ein vollzähliges gewesen; daß es nach derselben nicht vollzählig war, darüber ist der geringste Zweifel unstatthaft. Der mischnische Satz - nämlich, nach welchem ein Collegium die Beschlüsse des andern nicht aboliren kann, ausgenommen.

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