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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 95

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 95 (sequence 13)
Language
German
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95 die ControVersen aus der Welt schaffen zu können und wieder wie einst in der Quaderhalle durch Stimmenmehrheit die Norm sestzustellen. In diesem Streben wollte er allen unnöthigen Fragestellungen ein für alle Mal einen Riegel vorschieben; er ging so weit, einen Thorwart anzustellen, um wenigstens Jünger zweifelhaften Charakters sernzuhalten. Er hatte nämlich unter denvexatorischenFragen dieserjungen Männer viel zu leiden, so daß er jedesmal, nachdem er den Präsidentenstuhl eingenommen, einen prüfenden Blick auf die Versammlung warf, und erst dann, wenn er sich überzeugt hatte, daß kein Zänker anwesend ist, die Erlaubniß ertheilte, Fragen an chn zu richten, während er im entgegengesetzten Falle die Sitzung mit seinem Vortrag eröffnete. R. Gamaliel hat gewiß jede ehrliche Meinung hochgeschätzt, aber trotzdem forderte er von seinen Collegen, daß sie die Einheit in der Halachah höher als alles Andere stellen möchten. Und gerade weil seine Wünsche keine persönliche waren, ließ er sich von seinem Eifer so weit fortreißen, daß er sich zuweilen gegen die ersten Autoritäten hochfahrend benahm. Diese Strenge war auf die Dauer unerträglich, und eines Tages kam der seit langem angehäufte Unmuth zu solch explodirendem Ausbruch, daß die Weisen der Hochschule den Präsidenten seines Amtes entsetzten. Und auch dabei benahmen sie sich weise; denn sie wählten den neuen Präsidenten nicht aus ihrer Mitte, sondern beriefen einen Mann, der bisher der Hochschule gar nicht angehört hatte, nämlich den reichen und angesehenen R. Eleasar ben Asarja. Der Streit wurde indeß - bald geschlichtet, und die Akademie, welche vorübergehend aus 72 Mitgliedern bestand, hatte während dieser Zeit zwei Präsidenten. Daß die Majorität die religiösen Normen seststelle, darin waren alle einig, aber ebenso einig waren sie in dem Widerstand gegen den Patriarchen, der die Minoritäts- Vota völlig ignoriren wollte. Diesen Widerstand hätte R. Gamaliel auch dann nicht gebrochen, wenn die Zeiten ruhig geblieben wären; denn R. Akiba hatte in B ne Berak, R. Chananjah ben Teradjon in Sikhnin, R. Jsmael im Süden in Kefar - Aziz ein Lehrhaus eröffnet, und in jedem Lehrhause wurde consequent neben der von einer Majorität getragenen Lehrmeinung auch die.der Minorität vorgetragen.

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