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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 85

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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85 viele Kinderschulen wie Familien gegeben, und daß die jüdische Volksbildung nur deshalb eine so allgemeine und hohe gewesen, weil jeder Vater sein ganzes Wissen dem Kinde spielend beizubringen bemüht war. Und trotz alledem bleibt weniger das Vorhandensein so vieler Kinderschulen, sondern weit mehr das Nichtvorhandensein der Volksschule charakteristisch für unsern Stamm: denn dieses negative Moment bezeugt es in ebenso bündiger wie unwiderlegbarer Weise, daß wir Juden niemals einen Nationalstaat im hergebrachten Sinne des Wortes gebildet haben. Ohne allgemeine Volksschnle kann von keiner nationalen Erziehung, und ohne nationale Erziehung kann von keiner Nationalmacht die Rede sein. Man denke sich Athen oder gar Sparta ohne Schulen, ohne nationale Erziehung! Das ist einfach unmöglich. Ebenso unmöglich ist es, den ehemaligen jüdischen Staat in seinem wahren Wesen zu begreifen, wenn man nicht das jüdische Haus mit seiner religiösen Erziehung als das Fundament der ganzen Volksgemeinschaft erkennt. Selbst im Zenith unserer Politischen Machtstellung bildeten wir ein religiös - nationales Gemeinwesen; deß ist Zeuge der Jerusalemische Tempel, dessen Bau von König David vorbereitet und von König Salomo ausgeführt wurde. Es genügt, an diese Thatsache zu erinnern, und man muß es geradezu lächerlich nennen, wenn heutzutage so viele Juden sich eine die Religion völlig ignorirende Nationalität construiren. Gegen eine solche Nationalität legt unsere ganze Geschichte Verwahrung ein. Ohne Religion ist die jüdische Nationalität ein völlig leeres, inhaltloses Wort. Das Religiöse und das Nationale im Judenthum sind eben nicht zwei verschiedene Elemente, sondern blos zwei Seiten einer und derselben Sache. Beide durchdringen sich derart, daß von einer Sonderung gar nicht gesprochen werden kann. Die jüdische Nationalität wurzelte Zu allen Zeiten nicht nur in der gemeinsamen Abstammung von Abraham, sondern auch in dem gemeinsamen Glauben an den von Abraham erkannten Gott. Wer diesem Gotte den Rücken kehrte, wurde ein Fremder und hatte thatsächlich aufgehört, ein Nachkomme des Patriarchen zu sein. Und Eben darin findet es seine Erklärung, daß auch heute noch die Religion Israels trotz chres die ganze Menschheit um-

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