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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Hochschulen in Palästina und Babylon
Date
1899-01-01
Page
Seite 84 (sequence 2)
Language
German
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84 Das war zu allen Zeiten ein eisernes Gesetz und wird es auch zu allen Zeiten bleiben. Nichtsdestoweniger giebt es ein Volk, das in Bezug auf dieses Gesetz — scheinbau wenigstens — eine Ausnahme bildet, und dieses Volk ist das jüdische. Wir Juden sind als ein Kulturvolk in die Weltgeschichte eingetreten, denn wir haben uns sofort nach dem Auszug, aus Aegypten durch unser am Sinai empfangenes Sittengesetz, in den Dienst einer ewigen Idee gestellt. Es soll hier nicht untersucht werden, warum und wodurch wir die bestgehaßte Nation der ganzen Welt geworden sind, warum man unsere Vorzüge stets verkleinert und unsere Fehler stets vergrößert hat; es mag auch dahingestellt bleiben, ob wir in Wirklichkeit die Welt verjudet haben. Wir könnten uns ja diesen Vorwurf nicht allein ruhig gefallen lassen, sondern müßten stolz auf chn sein, wenn die Bibel, das hervorragendste Buch den Weltliteratur, in demselben Grade beachtet und bethätigt würde, wie sie verbreitet ist und gelesen wird. Denn die Bibel ist vom Hause aus das Buch der Juden, und trotz chrer Uebersetzung in alle Sprachen der Erde nach wie von ein jüdisches Buch. Ein Volk, das ein solches Buch hervorgebracht hat, muß von Freund und Feind als ein hochgebildetes, als ein klassisches bezeichnet werden. Und doch hat dieses klassische Volk — zum mindesten während den Jahrhunderte, in denen die meisten und bedeutendsten Büchen der Bibel entstanden sind — weder eine Volksnoch eine Hochschule gekannt. Ist das nicht ein Wunder zu nennen? Keineswegs! Es fiel auch bei uns kein Gelehrter vom Himmels im Gegentheil, es wurde vielleicht bei keinem Volk der Erde so viel unterrichtet und gelehrt, wie schon im alten Israels und gerade deshalb, weil jedes jüdische Haus von vornherein eine Schule war, konnten wir auf die allen gemeinsame Volksschule Verzicht leisten. Vater und Mutter sind vielleicht heule nicht mehr, aber ganz gewiß waren sie einst die besten Lehren ihrer Kinder; ganz natürlich, weil ja der Unterricht ebenso wie die Erziehung individualisiren muß, und wer wäre mit der Individualität des Kindes mehr vertraut als dessen Eltern? Man kann demnach, ohne der Uebertreibung gezieherr zu werden, kühn behaupten, daß es im alten Israel ebenso-

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