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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die Romulussage im Talmud und Midrasch
Date
1899-01-01
Page
Seite 81 (sequence 7)
Language
German
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81 eine Macht geblieben ist, so ist es nur eine solche, weil es aus dem Geiste seine Kräfte gewonnen, von dem die Bibel erfüllt ist. Vielleicht deutet darauf eine dunkle Erzählung hin, die wir im Midr. Schir haschirim I, 6 finden. Nachdem der Midrasch die oben angeführte Stelle aus dem jer. Talmud angeführt hat, fährt er fort: „Als man nun die Hütten gebaut hatte, stürzten sie wieder ein, man baute sie wiederum, und abermals stürzten sie ein. Da war dort ein Mann, Abba Kolon mit Namen, der sagte zu den Leuten: So lange ihr nicht Wasser aus dem Euphrat herbeibringt, den Lehm damit anzukneten, werden die Hütten nicht stehen bleiben. Auf die Frage, wer denn das Wasser herbeischaffen wolle, erklärte Abba Kolon sich dazu bereit. Als Weinhändler verkleidet, reiste er von Stadt zu Stadt, von Provinz zu Provinz, bis er an den Euphrat kam, dort füllte er die mitgebrachten Fässer mit dem Wasser dieses Flusses und brachte es heim; man knetete mit diesem Wasser den Lehm an, und die Hütten blieben stehen. Von jetzt ab sagte man: Jede Hauptstadt, die keinen Abba Kolon hat, verdient nicht Hauptstadt genannt zu werden, und man nannte diese Stadt das babylonische Rom." Daß diese Erzählung uns mehr sagen will, als im Allgemeinen auf die Beziehungen des Orients zum Occident hinzudeuten, wird schon klar aus der Nennung eines Namens, Abba Kolon; es liegen hier jedenfalls Beziehungen zu Zeitereignissen vor, die uns durch eine Bildersprache, wie sie die Rabbinen gern in ihren Vorträgen anwandten, verhüllt sind, welche aber die Zeitgenossen wohl verstanden. Wenn ich eine Vermuthung wagen dürfte, so möchte ich das Wort Abba für nichts anderes als die Uebersetzung des Wortes Papa, Papst halten, den Titel, welchen man in den Anfängen des Christenthums allen Patriarchen, seit dem 4. Jahrhundert aber vorwiegend dem Bischof von Rom beilegte. Nun finden wir aber in den Verzeichnissen der Päpste einen mit dem seltenen und nicht wieder vorkommenden Namen Conon, der nur ein Jahr, von 686—687, das Pontificat inne hatte. Ob unter diesem die Autorität der Päpste, die bis zum 8. Jahrhundert selbst von den abendländischen Christen nicht überall anerkannt war, erstarkte, woraus der Nachsatz, daß keine Stadt die Be- 6

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