Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Romulussage im Talmud und Midrasch
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 8)
- Language
- German
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— 82 Zeichnung als Hauptstadt verdiene, in welcher nicht ein Abba Kolon sei, sich erklären würde, oder ob der unbekannte Berichterstatter zur Zeit jenes Conon gelebt und dessen Namen für das Papstthum überhaupt angewendet, vermag ich nicht zu entscheiden. Genug, die Erzählung, die Gegenwart in die Vergangenheit verlegend, berichtet, das Wasser des Euphrat habe die Gründung des Romulus und Remus erhalten, — am Euphrat blühte damals das Thorastudium, Wasser wird als Sinnbild für die Thora angewendet, — so dürfte es wohl nicht als zu gewagt erscheinen, wenn die Erzählung dahin gedeutet wird: Das heidnische Rom mußte untergehen, nur das Wasser aus dem Euphrat konnte ein bleibendes Rom aufrichten. Eine Anerkennung der Verdienste des Christenchums, wie es nicht selten im jüdischen Schristthume vorkommt, ist in dieser Erzählung enthalten, aber auch die Erinnerung daran, daß es jüdischer Geist und jüdische Gedanken sind, mit denen das Christenthum seinen Siegesgang über die Welt geschritten ist; vielleicht durfte man solches nicht öffentlich aussprechen, und der Redner mußte zu einem Bilde die Zuflucht nehmen, um seine Zuhörer in der Schätzung des hohen Werches ihres Judenthums zu befestigen.