Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Romulussage im Talmud und Midrasch
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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77 Schlamm ansetzte, hier wurde eine große Stadt (seil. Rom) erbaut; die Boraitha berichtet: Als Jerobeam zwei goldene Kälber ausstellte, das eine in Bethel, das andere in Dan, wurde eine Hütte erbaut, und dies ist das jonische Italien." Die erste Hälfte dieses Satzes findet sich wörtlich in Sanhedrin 21 d, nur daß dort R. Jizchak der Berichterstatter ist und Rom deutlich genannt wird. Im Großen und Ganzen gleichen sich die Aussprüche in den beiden Talmuden, unterscheiden sich jedoch wesentlich dadurch von einander, daß der babylonische Talmud die Namen Romulus und Remus nicht erwähnt, während der jerusalemische sie nennt. Es dürfte dies darin seine Erklärung finden, daß in Palästina, der Heimath des jerusalemischen Talmud, das in näherer Beziehung zu Rom stand, die Sage besser bekannt war als im entfernteren Babylon. Die Art und Weise, wie hier von der Gründung der Stadt Rom gesprochen, wie diese in einen ursächlichen Zusammenhang mit der Verirrung Salomos gebracht wird, ist hochbedeutsam sür die Denk- und Anschauungsweise unserer alten Weisen. Rom gilt als Erbfeind weniger der Judenheit als des Judenthums. Charakteristisch für diese Auffassung ist eine Talmudstelle, die von dem einstigen Weltgericht spricht, an dem alle Völkerschaften vor Gott zur Huldigung des Messias zugelassen werden, und nur Edom (Rom) davon ausgeschlossen wird. Hat aber doch Babylon sich durch die Zerstörung des Tempels schwer versündigt, warum soll diesem Reiche Gnade gewährt werden und nicht auch Rom, das doch auch nichts anderes gethan? Babylon hat Holz und Stein vernichtet und zertrümmert, Rom aber wollte das Lebenselement Israels, das Gottesgesetz, vernichten, jene Gotteslehre, welche die Menschen vom Heidenthum besteien wollte; ein solches Volk wird vom Gottesthron zurückgewiesen. Israel konnte alles Weh und allen Jammer, alle Tortur und Qualen verschmerzen und vergessen; daß ihm aber seine erhabene Lehre genommen, daß chm statt seines Gottes der olympische Zeus aufgezwungen werden sollte — das konnte es nicht verschmerzen und vergessen, es konnte nicht aufhören zu hassen. Was es mit der materiellen, nur auf Geld und Gewinn abzielenden Denkweise der jüdischen Rasse, der man jeden Jdea-