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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 71 (sequence 17)
Language
German
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71 Forderungen der socialen Moral mit dem größten Nachdruck hervorgehoben werden. Es, ist auch eine unberechtigte Annahme, daß das religiöse Leben im Judenthum dieser Zeit in einer Menge rein äußerlicher Werke aufgegangen ist. Sollte die Feier der Sabbate und Feste mit all den großen Gedanken und Erinnerungen, mit denen sie in Zusammenhang gebracht worden sind, ohne jeglichen Eindruck auf das Gesühlsleben der Juden vorübergegangen sein? Dem widersprechen nicht nur die Zeugnisse der jüdischen Literatur, sondern auch viele analoge Thatsachen aus der Geschichte anderer Religionen. Die Gebote der Tora waren für die Juden niemals „Statuten eines unmotivirten Willens". Diejenigen, welche dies behaupten, meinen, die Juden hätten die Gebote nur deshalb beachtet, weil sie glaubten, daß es von Gott also geboten sei. Eine höchst seltsame psychologische Erklärung der Treue der Juden zur Tora. Es ist aber klar, daß eine Verwerfung der Gesetze der Tora, wie sie von Paulus angestrebt worden ist, gleichbedeutend gewesen wäre mit der Verwersung der eigenen Seele, es wäre ein Riß in der geschichtlichen Entwickelung gewesen, wie er keiner Volksseele zugemmhet werden kann, auch dort nicht, wo der Zusammenhang mit der Vergangenheit viel geringer ist als im Judenthum. Weil die religiösen Einrichtungen des Judenthums in dem religiösen Empfindungsleben wurzelten, deshalb war jene Zerreißung des geschichtlichen Zusammenhanges, die Paulus angestrebt hat, im Judenthum unmöglich. „Die Liebe Gottes zu Israel, meinten die Schriftgelehrten, zeigt sich darin, daß sie keines Mittlers bedürfen *)." „Heil euch Israeliten, sagt ein Gesetzeslehrer, daß ihr vor eurem Vater im Himmel von euren Sünden gereinigt werdet". Das war die Antwort der Schriftgelehrten aus die paulinische Ansicht. Wohl aber hat die Dialektik des Paulus es ermöglicht, daß das Christenthum sich ausbreite und das Dogma, die Kombination neuteftamentlicher Vorstellungen mit Ansichten griechischen Ursprungs entstehe. Wir haben die Lehren der Pharisäer und ihrer Schrift- *) Zoma 57 a.

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