Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 70 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111586--0444-3111707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

70 biblischer Zeit stammen, mit einem neuen Ideengehalt erfüllt. So ist durch sie das Wochenfest zum Fest der Offenbarung geworden. *) Das Neujahrsfest haben sie mit den wichtigsten eschatologischen Gedanken vom Reiche Gottes, von feinem Gericht und von den Zeiten des Messias in Zusammenhang gebracht?) Zu den Aufgaben der Schriftgelehrten des ersten Jahrhunderts gehörte auch die Rechtspflege und sie haben sich dieser mit Ehren entledigt. Sie haben manche strenge Bestimmung der Bibel den Zeitverhältnissen anzupassen verstanden. Diese ihre Arbeit hatte sie trotz der Strenge ihrer moralischen Grundsätze vor überschwänglichen moralischen Forderungen, die nicht zu verwirklichen sind, bewahrt. Die Rechtsordnung war in ihren Augen etwas Göttliches. Der Richter, der ein gerechtes Uriheil fällt, hat gleichsam einen Antheil am Werke der Weltschöpsung?) „Wisset, so sagt in späterer Zeit ein Gesetzeslehrer zu den Partheien, das ihr nicht vor Akiba b. Josef, sondern vor Gott stehet, denn es heißt in der Schrift: „DasRecht ist Gottes Sache". (Deut. 1,17.) Es ist wahr, die Pharisäer und Schristgelehrten arbeiteten gar eifrig daran, das ganze Volk an die Erfüllung des „Gesetzes" zu gewöhnen. Man liebt es aber die Sache so darzustellen, als würden die Tora und die Erklärungen der Schriftgelehrten nur Vorschriften über Waschungen. Opfer, Speisen und dgl. enthalten oder als hätten die Schriftgelehrten sich beinahe ausschließlich mit diesen Dingen beschäftigt. Das Judenthum soll eben, wie man vielfach unbegründeterweise meint, aus denjenigen Bestandtheilen der Tora beruhen, die man „Priestercodex" nennt. Das ist aber nicht der Fall. Das Judenthum beruht ebenso auf den anderen Quellen der Tora, insbesondere auf dem Deuteronomium und auf den Propheten. Und da in der Tora all die religiöse und sittliche Erkenntniß, welche den Propheten und Priestern Jsrael- Juda's zu Theil geworden ist, zu Worte kommt, darum finden wir, daß neben dem Bestreben, alle Gebote zu erfüllen, die 1) Als ein solches gilt es schon in der Mechiltha, 63 d. 2) Sifrs, 19 t). unten. 3) Sifrö 59 a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.