Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Was lehrten die Pharisäer?
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 15)
- Language
- German
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69 ebenso daß die „Zöllner", die Helfershelfer der Unterdrücker der Nation, bei ihnen arg beleumundet waren und daß Circus und Theater, in denen die Heiligkeit des Menschenlebens in arger Weise verletzt wurde, ihnen „Greuel des Herren" waren. Es steht außer allem Zweifel, daß zur Ausbildung und Entwickelung der Lehren und Gesetze des Judenthums, wie sie in der talmudischen Literatur uns vorliegen, die Schriftgelehrten in der Zeit des zweiten Tempels den Grund gelegt haben. Wir wollen daher einige von den Einrichtungen hervorheben, die gewiß in dieser Zeit entstanden sind. Es ist einem jeden zur Pflicht gemacht worden, das Schema, d. h. jene drei mit großem Tacte ausgewählten Stücke des Pentakeuchs, in denen die hauptsächlichen Lehren des Judentums zum Ausdruck gelangen, täglich zweimal zu lesen. Aus diesen Kreisen stammen unsere ältesten Gebete, zu denen allerdings später Zusätze gemacht worden sind, die aber alle durch die Schlichtheit und Reinheit der Sprache, wie durch den Reichtum des Inhaltes sich auszeichnen. Man wird nicht leicht ein Gebet finden, das man neben die wunderbaren Segenssprüche von dem Schema, und die von der Liebe Gottes sprechen, der Israel seine Lehre zu - Theil werden ließ, stellen könnte. Sie haben andere religiöse Einrichtungen, wie z. B. die Feste ausgestaltet, wobei sie viele Anordnungen getroffen haben. Man hat mit Rücksicht auf diese gesagt, es wäre keine Kleinigkeit gewesen, die 613 Gebote mit ihren Erklärungen auch nur .zu wissen, und erst recht sie zu beobachten. Jndeß wenn wir in Betracht ziehen, daß in den 613 Geboten alle Forderungen der Moral, das ganze Civil- und Strafrecht, der Opfercultus, die Bestimmungen über den Zehnten und ähnliche Dinge gehörten, von denen recht viele nur von den Priestern beobachtet werden mußten, so wird man die Sache anders beurtheilen. — Die Schriftgelehrten haben die Arbeiten angegeben, die am Sabbat nicht verrichtet werden dürfen, dies wurde ihnen ebenfalls zum Vorwurfe gemacht, denn sie hätten dadurch die Freiheit des religiösen Lebens beeinträchtigt. Aber wie wir noch heute sehen, kann keine Behörde, welche die Heilighaltung eines Festes bestimmen will, anders Vorgehen. Sie haben manche religiöse Einrichtungen, welche aus