Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Was lehrten die Pharisäer?
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 13)
- Language
- German
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67 lichen Veraotwortlichkeit von den Gesetzeslehrern erhalten worden ist, dabei herrschte aber auch die richtige Anschauung, daß die wahre Freiheit in gewohnheitsmäßigem Rechtthun, im Gehorsam gegen die Gotteslehre erreicht werden kann. „Im Gehorsam", sagt der Dichter, „suhle ich mich am Schönsten srei". Die biblische Lehre von der Einheit des Menschengeschlechts hat bei den Gesetzeslehrern ebenfalls einen prägnanten Ausdruck gesunden: „Gott hat, so heißt es an einer Stelle, nur Einen Menschen geschaffen, damit die Ketzer keinen Vorwand haben zu behaupten, daß es viele Götter giebt. Nach Anderen deshalb, daß die Gerechten nicht sagen können: „wir sind die Nachkommen eines Gerechten" und die Bösewichter sich nicht entschuldigen können: „Wir sind die Nachkommen von Bösen". Wieder Andere meinen, es sei deshalb nur ein Mensch geschaffen worden, damit die Familien keinen Vorwand zum Streit haben, indem sie sich aus ihre Abstammung berufen. Manche meinen auch, daß es wegen der Räuber und ^Gewaltthätigen geschehen sei. Die Nachkommen des einen Menschen rauben und üben Gewaltthätigkeiten aus, was thäten sie erst, wenn sie nicht von einem Urahn abstammen würden^." Die Propheten Israels haben eine Idee geschaffen, welche für das sittliche Leben des ganzen Menschengeschlechts von außerordentlicher Bedeutung ist, die Idee der Buße und Bekehrung. Sie ist schon bei den Propheten die grundsätzliche Sinnesänderung, in Folge welcher der Mensch seine Sünden von sich abwirft und sich ein neues Herz und einen neuen Geist schafft. Der Gedanke hat bei den Schriftgelehrten seine Bedeutung beibehalten. Sie lehren in Uebereinstimmung mit ben Propheten, daß die Buße eine große Macht sei, welche die Welt von den Wunden heilt, die ihr von der Sünde geschlagen worden sind. Dabei haben sie sich keineswegs nur mit dem Vorgang der Bekehrung begnügt, der in der Seele des Menschen sich vollzieht, denn so heißt es in der Mischna: Die Sünden, die der Mensch gegen Gott begangen, werden am Bersöhnungstage verziehen, für diejenigen i) Tosefta, Sanhedrin VIII, 4. 5*