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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 65

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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65 mindestens so charakteristisch sür das religiöse Leben der Gesetzeslehrer, wie die Reinheitsgesetze, und darnach wird mit- Unrecht behauptet, daß die mathematisch genaue Berechnung des Lohnes und der Strafe für die Werke des Menschen der „Religionsfehler des Pharisäismus" sei. Die Schriftgelehrten lebten in der Furcht Gottes, der da Rechenschaft fordert für ein jegliches leichtfertige Wort*) und den Menschen nach dem Tode zur ewigen Seligkeit eingehen läßt oder zur ewigen Höllenstrafe zu verdammen vermag^). Die Psalmen werden mit Recht als die Frucht betrachtet, welche von den Lehren der Propheten und der Tora im Geiste der jüdischen Frommen gezeitigt worden ist. Die Folge des prophetischen Monotheismus war auch das Gottvertrauen, dem die Psalmen in einzigartiger Weise Ausdruck geben. „Der Ewige ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten? Der Ewige ist die Feste meines Lebens, vor wemsollteich Angsthaben?" (Ps. 27,1.) „GottistSchirm und Kraft, eine Hülfe in der Roth, sicher zu finden. Darum fürchten wir nicht, wenn auch die Erde sich verwandelt, wenn die Berge wanken in der Mitte der Meere". (Ps.46,2—3.) Also heißt in den Psalmen, die das Gebetbuch der Synagoge waren zur Zeit des zweiten Tempels, wie zum Theil auch später bis aus den heutigen Tag. Und im Einklang damit 'sagen die Schriftgelehrten: „Groß ist die Macht dzs Gottvertrauens, denn es bewirkte, daß den Israeliten der Geist der Heiligkeit zu Theil geworden ist". Ein späterer Schristgelehrter sagt: „Wer heute zum Essen hat und an den Morgen denkt, der hat kein richtiges Gottvertrauenb)." Wir müssen auch einen Blick auf die Sittenlehre der Pharisäer und Schristgelehrten werfen. Wir begegnen bei ihnen allen sittlichen Ideen der Propheten. Alle Arten der Wortsünde, Verleumdung, Lüge, Heuchelei und Schmeichelei fanden bei ihnen die schärfste Verurtheilung. „Nicht sündigen" war anerkanntermaßen einer ihrer Grundsätze, den sie zu ver- 2) Chagiga ob. 2) S. die Erzählung vom Tode des R. Jochanan b. Zakkai, Barajtha Berachoth 28 und Jer. Chagig a, 77a. 3) Mechiltha 47a. 5

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