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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 64

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 64 (sequence 10)
Language
German
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64 gelehrten fest der Glaube an die gerechte Weltregierung Gottes. Wie die Psalmdichter, beschäftigt auch sie das furchtbare Problem von den Leiden der Frommen und dem Wohlergehen der Bösewichter. Sie haben auch einen Antheil an dem Geiste der Propheten, denen Erscheinungen, die mit der Gerechtigkeit Gottes anscheinend nicht in Einklang zu bringen waren, Aergerniß verursachten. Auch für ihre Zeit gilt es, daß man nirgends in der Welt das Recht in dem Maße als die Sache Gottes betrachtet hat als in Israel, und es giebt für sie keine größere Ketzerei, als zu behaupten, daß es „kein Gericht und keinen Richter gebe." Die Macht des Guten und der Gerechtigkeit, in der sich Gott am offenkundigsten offenbart, ist der Kern ihres Bekenntnisses. Darum lehren sie die vollkommenste Gottergebenheit. Man' soll Gott für das Gute und das Unheil in gleicher Weise danken, denn „was Gott thut ist wohlgethan." R. Akiba sagte, die Worte der Schrift: „Ihr sollt mit mir keine silberne und goldene Götter machen", (Exod. 20,23.) sind also zu verstehen :.JHr solltmitmirnichtwiedieHeidenmitihren Göttern verfahren; wenn ihnen ein Glück begegnet, ehren sie ihre Götter, und wenn Unheil über sie kömmt, werden diese von ihnen verflucht. Ihr hingegen, danket mir, wenn ich . Glück über euch bringe, und danket mir, wenn ich Unheil über euch bringe." Bestimmter kann man nicht die heidnische Denkweise, welche das Verhältniß der Menschen zu den Göttern als einen Vertrag betrachtete, verurtheilen. Als ein anderer Gesetzeslehrer, Chanina b. Teradjon, mit seiner Frau von den Römern zum Tode verurtheilt wurde, recitirten sie die Worte der Schrift, mit welchen der gläubige Jude bis aus den heutigen Tag im Unglück die Gerechtigkeit Gottes anerkennt: „Der Hort, vollkommen ist sein Thun, denn all seine Wege sind Recht, er ist ein Gott der Treue, ohne Fehl, gerecht und gerade ist er." Wie kann man behaupten, daß diese Märtyrer das Verhältniß des Menschen zu Gott, wie einen Pakt aufgefaßt haben? — Diese Anschauung, welche zum Gesetz geworden ist, indem (Mischna, Berachoth IX,5) bestimmt wurde, daß man Gott beim Unglück ebenso zu danken habe, wie für das Gute, ist

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