Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Was lehrten die Pharisäer?
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
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62 Dieser Ausdruck ist vielfach bezeugt/) auch in einem Ausspruch des Jochanan ben Zakkai.2) Die Pharisäer und Schriftgelehrten faßten, ebenso wie die Heilige Schrift, das Verhältniß Gottes zum Menschen auch als dasjenige eines Königs zu seinen Unterthanen auf, daher stammt der Ausdruck: „Die Herrschaft oder das Reich Gottes." Es besteht keineswegs in der Anerkennung der Pflicht, den Geboten Gottes zu gehorchen, denn hierfür haben die Schriftgelehrten einen anderen Ausdruck, das „Joch der Gebote." Vielmehr ist unter dem Ausdruck, das Joch des Gottesreiches oder des Himmelreiches auf sich nehmen, das zu verstehen, sich zu Gott, als dem Herrscher über alle Wesen in Beziehung setzen, sein Wirken in den Ereignissen der Vorzeit Israels anzuerkennen, eine Vorstellung die im Gefühlsleben wichtige Folgen haben mußte. Das „Reich des Himmels", das heißt, das „Reich Gottes" ist nach der Anschauung der Schriftgelehrten zeitweilig nur unter den Frommen Israels vorhanden, und wie wir gesehen haben, ist ihre Hauptforderung, Barmherzigkeit zu üben, es soll aber, das ist die Hoffnung, über das ganze Menschengeschlecht sich ausbreiten. In diesem Sinne ist auch im Mussaf-Gebete des Neujahrsfestes vom Reich des Allmächtigen die Rede, welches Gebet zwar seine endgiltige Fassung in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts erhalten hat, dem Hauptinhalte nach aber viel älter ist. Aus all dem folgt, daß die Schriftgelehrten das „Reich Gottes" als ein schon in der Gegenwart durch freien Entschluß des Menschen zu verwirklichendes und durch die frommen Einheitsbekenner verwirklichtes betrachtet haben/) außerdem war es für sie eine eschatologische Erwartung. x) Mechiltha Sa, 45b, 56a, Barajtha, Berachoth 30a, Baba bathra 10a. Bar. Sanhedr. 101b. Sifrö 132a, S. auch Bacher, Die Ag. d. pal. Am. II, 171, 327. — Dalman, Die Worte Jesu S. 150. 2) Mechiltha 74 a, 3) Vgl. Dalman, a. a. O. S. 75si. zu dessen Ausführungen hier Folgendes bemerkt sein mag: rnD^D: h ßccailsia steht im Sinne