Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 61 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111586--0435-3111698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

61 den transcendentalen, exclusiven und ethischen Monotheismus der Propheten weiter entwickelt, indem es die Ueberweltlichkeit Gottes immer schärfer betont und auch gegen eine jede Verendlichung des göttlichen Wesens und sittlichen Lebensideals protestirt hat. Diese Abstraktion hatte aber nicht zur Folge, daß der Gottesglaube eine weniger starke Einwirkung auf das innere Leben der Juden gehabt hätte. Aus der Erkenntniß der Erhabenheit Gottes folgt nicht, daß unsere Ehrfurcht vor ihm, dessen Wirken wir überall erkennen, eine geringere wird. Und so finden wir, trotz der scharfen Betonung der Ueberweltlichkeit und Unnahbarkeit Gottes, einen Reichthum von religiösen Vorstellungen, welche beweisen, daß diese „ungeheure Abstraction" die Innigkeit des religiösen Verhältnisses nicht geschädigt hat. So wie im alten Israel, weil es nur einen Gott hatte, das religiöse Gefühl nicht weniger tief und mannigfaltig war als bei den Griechen oder den Aegyptern, so war auch das Gemüth der Schriftgelehrten an Gotlesliebe nicht ärmer geworden, weil sie die vermenschlichenden Ausdrücke der Bibel nicht mehr buchstäblich nehmen mochten. Vielmehr haben sie sehr wichtige Gedanken geschaffen, für die sie auch die Ausdrücke geprägt haben. Von ihnen stammt der Ausdruck: „Unser Vater im Himmel." „Der Heilige, gelobt sei er, heißt es in einem Midrasch- Werke/) sprach zum Propheten Jeremia: Sage den Kindern Israels, daß sie Buße thun. Als der Prophet den Auftrag Gottes erfüllte, sprachen zu ihm die Kinder Israels: „O unser Lehrer! Mit welchem Gesichte können wir hintreten vor den Herrn? Haben wir ihn nicht erzürnet? Jene Berge und Hügel, wo wir den Götzen dienten, stehen sie etwa nicht mehr? Wir möchten uns niederwerfen in unserer Schande, unsere Schmach bedeckt uns, da wir gegen den Ewigen, unseren Gott gesündigt." Da kehrte Jeremia zurück zu Gott und überbrachte ihm die Antwort des Volkes. Der Ewige aber sprach: Gehe zurück und sage ihnen: „Wenn ihr zu mir kommt, kommt ihr nicht zu eurem Vater im Himmel?" i) Pesikta d. R. Kahana, ed. Bub er 165 a. Vgl. Bacher, die Agada d. Tannaiten, II, S. 59.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.