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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 60

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Was lehrten die Pharisäer?
Date
1899-01-01
Page
Seite 60 (sequence 6)
Language
German
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60 „Es ist besser, daß jemand sich in den Feuerofen werfe, als daß er seinen Nächsten vor Vielen beschäme"*). „Wer die Vergehen seines Nächsten verzeiht, dem wird verziehen"^). „(Wenn du sprichst) so sei dein „Ja" und dein „Nein" ein wahres t) derjenige, der das Geschlecht der Sintfluth gestraft, straft auch den, der sein Wort nicht hält"^). „Füget mit euren Reden einander kein Unrecht zu. Saget nicht dem bekehrten Sünder: „Erinnere dich deiner Thaten". Saget nicht dem Nachkommen von Proselyten: „Gedenke der Werke deiner Väter!" Redet nicht zum Unglücklichen, zum Kranken, wie die Freunde Hiobs: „Erinnere dich, ist jemals ein Unschuldiger untergegangen* * 3 4 5)?"" Bewachten wir nun die einzelnen Hauptgedanken. Bei den Schriftgelehrten dieses Zeitalters ist das Bestreben zu beobachten, die vermenschlichenden Ausdrücke der Bibel zu mildern und die Ueberweltlichkeit Gottes scharf hervorzuheben.^) Man hat von diesem Streben gesagt, daß der jüdische Monotheismus dadurch kahl geworden sei, daß die Gesetzeslehrer sich dadurch von dem lebensvollen Gottesglauben der Bibel entfernt haben. — Ein übereinstimmendes Urtheil wird man in dieser Frage kaum jemals fällen können, denn wie man sich hierzu stellt, hängt davon ab, welcher Weltanschauung wir huldigen. Die Pantheisten werden an diesen Ansichten immer Anstoß nehmen, dagegen werden diejenigen, welche erkannt haben, daß wir nicht berechtigt sind, die Wesenseinheit Gottes mit der Welt zu behaupten, die großartige Thatsache anerkennen müssen, daß das Judenthum die Lehre von der Unerkennbarkeit des göttlichen Wesens immer folgerichtiger durchgeführt hat, bis Maimonides in dieser Beziehung zu einem Resultate gelangt war, das bis auf Kant unerreicht geblieben ist. Das nachbiblische Judenthum hat damit nur folgerichtig *) Baba mezia 59 a. Soma 23 a. 3) Sifra, ed. Weiß 99 b. 4) Mischna, Baba mezia 4, I. b) Barajtha, Baba mezia 58 b. 6) z. B- Mechiltha 25a, 38a, 65a, 69b.

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