Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Drei Bibelübersetzungen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 8)
- Language
- German
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52 theuer bezahlen. Die Finsterniß des Mittelalters verdichtete sich gerade damals um unsrer, als man in unserem Erdtheile jubelnd die Strahlen neuer Helligkeit, das Aufhören geistigem Knechtschaft begrüßte. Aus den Tafeln der Geschichte sindunter derselben Jahreszahl zwei Ereignisse zu lesen: die Entdeckung eines neuen Welttheils und die Vertreibung des ausgezeichnetsten, stolzesten Theils der Judenheit aus seiner Heimat. Gerade damals, als einer der Vorkämpfer der neuen Zeit ausrief: welch' eine Freude, in solcher Zeit zu leben! — versiegte für die Juden immer mehr die Quelle der Lebensfreude. Die Gesellschaft schloß den Bewohner des Ghetto von sich aus, verbot ihm den Gebrauch seiner Fähigkeiten, den Genuß seiner Menschenrechte. Zugleich aber verengte sich auch sein geistiger Horizont, verlor er den Zusammenhang mit den Ideen, dem Wissen, den Bestrebungen der vergangenen besseren Zeiten. Endlich, wenn auch spät, brach auch für die Insassen des Ghetto die neue Zeit an; ein armer Sprößling des Ghetto wurde zum Bahnbrecher und Fackelträger dieser neuen Zeit für das Judenthum. Mit Moses Mendelssohn beginnt in unserer Geschichte ebenso ein neuer Abschnitt, wie mit Saadja. Auch Mendelssohn erkannte, wie Saadja, in der Bearbeitung der höchsten Probleme des Denkens und besonders in der rationellen Klärung und Darstellung der religiösen Ideen den höchsten Beruf seines Lebens. Beide steckten sich als Ziel die Aufklärung ihrer Glaubensgenossen, und Beide suchten dies Ziel auch mit einer Bibelübersetzung zn erreichen. Aber eine ganz andere Aufgabe war dem weisen Kaufmann und Schriftsteller von Berlin zugefallen, als einst dem Gaon von Sura. Die geschichtliche Wirkung Moses Mendelssohns ist nicht so sehr in dem zu suchen, was er unmittelbar für die Juden gethan und geschrieben hat, als vielmehr darin, was er im Kreise der Nichtjuden geworben ist und wie er in diesem thätig war. Moses Mendelssohn war der erste europäische Jude, der unter seinen Glaubensgenossen lebte und treu seiner Religion anhing, aber sich außerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu allgemeiner Anerkennung erhob und sich eine hervorragende Stelle errang unter den führenden Geistern seines Vaterlandes. Moses Mendelssohn wurde von den Besten seiner Zeit als ausgezeichneter Schriftsteller, als fein-