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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 50

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Drei Bibelübersetzungen
Date
1899-01-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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50 Idiom der Wissenschaft in allen ihren Zweigen angesehen werden. Die im Alterthume angehäuften geistigen Schätze, die in den Ueberresten der griechischen Litteratur niedergelegt waren, erwachten in der Sprache der Araber zu neuer, lebendiger Wirkung. Plato, Aristoteles und all die berühmten Philosophen und Gelehrten der antiken Welt ließen sich nun auf arabisch vernehmen. Und während im christlichen Europa die geistige Regsamkeit, die freie Forschung auf ewig in Fesseln geschlagen zu sein schienen und kaum hie und da sich vereinzelte Vorboten der künftigen Wiedergeburt zeigten, durchströmte ein frisches, geistiges Leben die muhammedanische Welt, und glänzend erstrahlte die Sonne des Wissens über den Stätten der arabischen Bildung in Vorderasien, in Aegypten, in Nordafrika, in Spanien. Der gerade in jenen Ländern lebende Kern des jüdischen Volkes erwachte ebenfalls aus seiner Starrheit, und in der Entwicklung Israels tritt an die Stelle des traditionellen Wissens und Lehrens ein neuer Faktor: das rationelle Forschen, die selbständige Wissenschaft. Saadja aber war es, der diesen neuen Faktor zur Anerkennung und Herrschaft gelangen ließ. Wenn wir von Saadja's Verdiensten reden, pflegen wir nicht in erster Reihe seine Bibelübersetzung zu erwähnen; er hat in anderen Werken die Grundlage der neuen jüdischen Wissenschaft geschaffen. Aber die größte und dauerndste Wirkung hat er wohl doch mit diesem seinem Werke ausgeübt. Seine Uebersetzung lehrte nicht nur eine klare und vernunftgemäße Auffassung des heiligen Textes, sondern sie wirkte auch als unschätzbare Lehrerin der arabischen Sprache überall, wo die Juden unter arabischer Herrschaft lebten. Saadja's Bibelübersetzung gelangte überall hin und erlangte beinahe eine solche Achtung wie das aramäische Targum; das Ansehen ihres Verfassers, des berühmten und hochangesehenen Gaon, wurde auf sie übertragen. Noch heute ist in einer Pentateuch- Ausgabe, welche von einer jerusalemischen Druckerei für die Gemeinden Süd-Arabiens hergestellt wird, jeder Vers des hebräischen Textes von dem nach Onkelos benannten Targum und von der arabischen Uebersetzung Saadja's begleitet. Die Bibelübersetzung Saadja's hat zur Zeit ihres Erscheinens und in dem darauf folgenden Jahrhundert jenen interessanten kulturhistorischen Prozeß beschleunigt, durch welchen ein großer

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