Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Drei Bibelübersetzungen
Date
1899-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111585--0421-3111685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

48 ererbten Schriftthum fest und entwickelte seine Institutionen und seine Schulen, sich in denselben die Bollwerke seiner künftigen Rettung und Erhaltung erschaffend. Während dies in Palästina geschah, schließen sich die in Alexandrien und anderwärts in der Diaspora lebenden Juden immer enger der welterobernden griechischen Bildung an; es kommt die Zeit, wo man die Ideen Platons in die Lehren Moses' hineinträgt und die Seherworte der Propheten Israels in neuer Form und in der Sprache Homers sich vernehmbar machen. Es entsteht eine im Stillen wirkende und sich weithin ausbreitende jüdische Propaganda, es bilden sich überall auf dem Gebiete der griechischen Cultur und der römischen Herrschaft jene Gemeinden, welche die aus dem Schoße des Judenthums hervorgehende neue Religion vorfinden wird, um von ihnen, als den Mittelpunkten ihrer beginnenden Thätigkeit, den Weg der Weltbekehrung, der Besiegung des Heidenthums, zu beschreiten. Die heilige Schrift dieser die Ausbreitung des Christenthums vorbereitenden jüdischen Propaganda war die griechische Bibelübersetzung; kannte das Christenthum selbst doch lange Zeit hindurch keine andere heilige Schrift, als diese Uebersetzung; und es behielt sie auch dann noch bei, als es ihr die Urkunden seines neuen Glaubens anfügte. Die griechische Bibel der alexandrinischen Juden war das Textbuch, aus dem die Lehrer des Christenthums ihre Lehre verkündeten, aus dem die heidnische Welt Kunde bekam von dem Gotte, von dem Sittengesetze Israels. Darum kann man ohne Uebertreibung von der weltgeschichtlichen Rolle der ersten griechischen Bibelübersetzung, der sogenannten Septuaginta, sprechen. Die Sage läßt sie für einen König verfaßt sein, obgleich sie ihre Entstehung wahrscheinlich einem schon frühe empfundenen Bedürfnisse griechisch redender Juden verdankte. In Wirklichkeit aber kam es dazu, daß dieses griechische Targum der jüdischen Gemeinde Alexandriens von Königen geehrt und unter ihren Schätzen verwahrt wurde. Aus ihr wurde die heilige Schrift in viele andere Sprachen übertragen, in die Sprache der Gothen ebenso, wie in die Äthiopiens. Das Judenthum selbst erkannte später dieses Werk, trotz seines rein jüdischen Ursprungs, nicht als sein Eigenthum an; ja die Abneigung gegen dasselbe wurde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.