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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 46

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Drei Bibelübersetzungen
Date
1899-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 ergreifendere Idee zum Ausdrucke gelangen ließ. Und die Idee wurde zur Thatsache, deren Wirklichkeit die Phantasie der Agadisten weit hinter sich läßt. Denn die Urheber jener Aussprüche redeten nur von siebzig Sprachen, gemäß der traditionellen Anzahl der Völker der Erde; chatsächlich aber läßt sich die Anzahl der Sprachen, in welche unsere heilige Schrift bis heute ganz oder theilweise übersetzt ward, auf mehr als dreihundert schätzen. Für manche Sprache bildet ihre Bibelübersetzung die alleinige Litteratur, und es giebt kaum noch ein Volk, das die heilige Schrift Israels nicht in der eigenen Sprache zu lesen vermöchte. Die Bibelübersetzungen bilden seit zweitausend Jahren einen großen, blühenden Zweig der Weltlitteratur; sie waren die mächtigsten Mittel der religiösen Erziehung und sittlichen Veredelung der Nationen: die Spuren ihrer Einwirkung sind in der Sprache und Litteratur aller gebildeten Völker erkennbar. Das Volk der Bibel war es, das der Welt auch die ersten Bibelübersetzungen schenkte. Kaum hatte Israel das wichttgste Kennzeichen seiner nattonalen Individualität abgelegt, kaum hatte es aufgehört, die Sprache seines alten Schriftthums als Muttersprache zu reden, schuf es die Bibelübersetzung als lebendige religiöse Jnstituüon, aus der die Bibelübersetzung als Litteraturerzeugniß hervorging. In der Geschichte des Judenthums, in der Entwicklung und Verbreitung seines Geistes nehmen die Bibelübersetzungen eine wichttge Stelle ein. Aus vergangenen Zeiten sind sie aus uns gekommen, als Denkmäler großer Epochen, als Ergebnisse, zuweilen sogar als Erzeuger bedeutsamer Wendungen und Wandlungen. Aber auch in unseren Tagen sind innerhalb des Judenthums ernste Bestrebungen auf die Übersetzung der heiligen Schrift gerichtet. Daher darf ich die Aufmerksamkeit und das Interesse meiner Zuhörer erhoffen, wenn ich aus der Reihe unserer jüdischen Bibelübersetzungen drei Werke zum Gegenstände der Bettachtung wähle, an denen wir die große Bedeutung dieser Litteraturerzeugnisse am besten erkennen, in denen am offenkundigsten die providentielle Rolle zu Tage tritt, die ihnen in der Bethättgung des geschichtlichen Berufes Israels zukam.

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