Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Drei Bibelübersetzungen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 45 (sequence 1)
- Language
- German
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DMVerschmgen. Von Kithelw Lacher. An der reichen Schatzkammer der alten Weisheit und Poesie Israels, der Agada, sind zwei Aussprüche zu finden, welche in verschiedener Form derselben Idee zum Ausdrucke dienen. Am Berge Sinai — so lautet der eine Ausspruchs) — theilte sich jedes einzelne Wort der göttlichen Offenbarung und wurde in den siebzig Sprachen der Welt vernehmbar. Nach dem andern Ausspruches war auf dem durch Josua nach der Eroberung des heiligen Landes errichteten Altäre die Thora in allen siebzig Sprachen zu lesen. Es bedarf keiner künstlichen Deutung, um den Gedanken zu erkennen, der in diesen beiden Aussprüchen enthalten ist. Fast unverhüllt tritt uns in beiden die Idee entgegen, daß die Lehren unserer Religion vom ersten Augenblicke an dazu bestimmt waren, überall auf Erden, in jeder menschlichen Sprache vernommen zu werden und daß die Wirkung des heiligen Schriftthums Israels nicht an dessen Sprache geknüpft war, sondern von vorne herein die Bestimmung hatte, sich jedem Volke in seiner eigenen Sprache verständlich zu machen . Die Zweifler an der universalistischen Richtung des Judenthums kann man auf jene beiden Aussprüche verweisen, in denen der Schwung dichterischer Einbildungskraft eine sehr kühne, jedoch einfache und in ihrer Einfachheit umso *) Vorlesung, gehalten int Jsr.-ungarischen Litteraturverein zu Budapest. 2) B. Sabbath 88b. 3) B. Sota 33a (Mischna Sota VH. 5).