Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Idee der Weltschöpfung
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111070-3111584--0414-3111679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 sind die Ausdrücke „schaffen, bilden, machen" noch zu sehr mit dem materiellen Schmutz behaftet; sie paffen nicht für Gott. Mit der Materie arbeitet der Mensch, und müht sich an derselben, Gott schafft mühelos. Jener benutzt die Stoffe und Kräfte der Natur und sucht dieselben zu beherrschen; er, Gott, setzte sie ein, gab ihnen das unwandelbare Gesetz und damit die nicht zu überschreitenden Grenzen (s. oben), d. h. Gesetze. Sprechen ist auch eine Thätigkeit, aber nicht nur die von der Materie fteieste, sondern auch die rein geistige. Wie wir im Wort unsere Gedanken aus dem Innern als wahrnehmbares Object Herausstellen, so stellt Gott die Welt-Gedanken aus sich in die Wirklichkeit. Und nicht nur einmal in der Urzeit hat er das gethan, sondern fortgesetzt thut er es, wie es in unserem Gebete heißt: „Der in seiner Güte jeden Tag beständig das SchöpfungsWerk erneut". Tiefer Sinn liegt oft in kindlichem Spiel. Wer dies bei den Aussprüchen unserer Weisen nicht beherzigt, wird sie nicht verstehen. Der Tannaite, der auf die zehn Werde-Worte verweist, wirst die Frage auf: Gott hätte es ja bequemer gehabt, wenn er ein Mal gesprochen hätte: „es werde die Welt"? Denn, sagt der Psalmift: „Gott spricht, und es geschieht." Und hier die Antwort, die der Weise giebt: Indem Gott die Theile der Welt einzeln aufzählt, als geworden durch sein Wort, wollte Er zeigen, wie lieb, wie werthvoll ihm die Welt ist, wie sehr ihm der Ruchlose zuwider ist, welcher diese Welt durch seine Unsittlichkeit in Unordnung bringt, und wie theuer ihm dagegen der Gerechte ist, welcher dieselbe durch seine Sittlichkeit vervollkommnet. So leuchtet auch hier die Idee der Gott-Aehnlichkeit des Menschen hervor, dem Gott die weitere Bearbeitung der Welt aufträgt. Dies bezeichnet die Bibel nicht blos durch den Ausdruck rnzwb} sondern deutet dies auch dadurch an, daß sie erzählt, wie Gott die Thiere vor den Menschen führt, damit er jedes benenne, während Er selbst nur die Namen für Licht, Himmel, Erde, Meer gab. So weist hier die Bibel wieder nebenbei auf die Gott-Aehnlichkeit des Menschen hin, während sie eigentlich etwas andres hervorheben will, nämlich die von Gott stammende Einsetzung der Ehe und der menschlichen Gesellung überhaupt. Daß der Mensch über die Thiere, wie über die leblose Natur herrschen