Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Idee der Weltschöpfung
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 3)
- Language
- German
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41 mit der Schöpfung zugleich die Erhaltung der Welt gesichert. Das ist die jüdische Anschauung von der Welt. Ein weiser Rabbi hat darauf aufmerksam gemacht daß die Tora ja mit dem ersten Gesetze, das dem Volke Israel gegeben ward, hätte beginnen können. Ja, das hätte sie gekonnt, wenn die Tora blos ein dürres Gesetzbuch hätte werden sollen, wie der Abschnitt derselben D’öö^a ein solches bietet, allenfalls mit vorangestelltem Zehn-Gebot. Wenn das Volk aber gehört hätte: „Ich bin Dein Gott, der Dich aus dem Sklaven-Hause gezogen hat", so hätte es mit Recht gefragt: wer ist Gott? Nun aber wußte es: das ist der, welcher die Welt erschaffen hat — Er allein, und von ihm giebt es kein körperliches Bildniß. Mit dieser Schöpfungs-Idee hängen unmittelbar zwei andre wichtige Punkte zusammen: der eine, ein theoretischer — die Gott-Aehnlichkeit des Menschen, der andere ein praktischer — die Einsetzung des Sabbath. Gott hatte nach den sechs Werkeltagen am siebenten geruht und ihn dadurch geheiligt; der Mensch, im Streben, Gott ähnlich zu werden, heiligt den Sabbath, indem er auch an diesem Tage von seinem Werkeln abläßt. Und in dieser Ruhe liegt der Segen, den der Mensch am Sabbath erfährt. Er wird gesegnet erst durch die Bearbeitung der Erde und dann durch die Erhebung über den Sklaven-Dienst (m?) am Irdischen, Sinnlichen, durch die Hingabe an das Heilige, Göttliche; er wird sich seiner Freiheit bewußt. Man hat gefragt, ob die Religion Israels Dogmen habe. Wenn sie Lehr-Sätze hat, wenn sie nicht inhaltslos ist, so muß sie wohl Dogmen haben, und die Schöpfungs-Idee ist ein solches Dogma. Was aber die Religion Israels nicht verlangt, ist die Fixirung des Dogmas in Buchstaben. Sonst müßte am Ende der Urheber der ersten Mischna des 5. Kap. Aboth ein Ketzer genannt werden. Indessen er zeigt, daß es der Bibel selbst auf den Buchstaben nicht ankommt. Alle drei oben genannte Wörter für „schaffen" genügen ihr nicht. Die ganze Darstellung hat neben ihrem Auszuge einen noch feinern Einschlag. Neben den sechs Tagen, erinnert jener Lehrer der Mischna, sind es „zehn Worte", durch welche die Welt erschaffen ist — zehn Werde-Worte. Dieser Anschauung