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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 7

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Rückblick auf das Jahr 5658
Date
1899-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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7 bündeter in der Stichwahl erhielt. Ihre Reichstagsfraktion kann wegen ihrer numerischen Schwäche die Volksvertretung nicht mehr mit ungeheuerlichen Anträgen behelligen. Bei den preußischen Landtagswahlen sind endlich zwei Juden wieder in die Volksvertretung gelangt, während Stöcker seinen Sitz im Abgeordnetenhause verlor. — Allein wir dürfen nicht vergessen, daß das große Heer unserer stillen, mit feinstem Kulturlack übertünchten Gegner weit bedrohlicher für uns ist als die offenen, plumpen Widersacher mit ihrer Rohheit und ihrem widerlichen Lärmen, die schließlich nach oben und nach unten hin verstimmten. Den äußeren und den noch bedenklicheren inneren Gefahren gegenüber giebt es für das deutsche Judenthum nur eine Art der Abwehr: inneren Zusammenschluß zu gegenseitiger Stärkung und Anregung, feste und wirksame Organisation. Da uns, besonders in den alten Provinzen Preußens, letztere durch das Gesetz versagt ist, müssen wir sie uns selber durch eigene Kraft schaffen. Dahin wirkt der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, indem er die äußeren Feinde abwehrt. Dahin arbeitet der deutsch-israelitische Gemeindebund, auf dessen Anregung in den meisten Provinzen Alt- Preußens Provinzial- und Bezirks-Verbände sich gebildet haben, die sich in diesem Herbst zum ersten Male auf einem Verbandstage vereinigt haben. Dahin zielt auch der deutsche Rabbiner-Verband, der am 1. und 2. Juni in Berlin tagte. Diese Versammlung, die die Mehrheit der deutschen Rabbiner vertrat, umfaßte die jüdischen Gottesgelehrten der verschiedensten Parteirichtung, die in versöhnlichem Geiste, in erhebender Einheit, in voller Sachlichkeit wichtige, die bedeutsamsten Interessen des Rabbinerstandes und der Gemeinden berührende Fragen besprachen und entschieden. So muß es sein: ohne Schaden für die persönliche Ueberzeugung und deren Bethätigung müssen sich alle Israeliten eng zusammenschließen gegen die Feindschaft von außen, gegen den Jndifferenllsmus im eigenen Innern. Ein höchst erfreuliches Zeichen des wieder erwachten Interesses unserer deutschen Glaubensgenossen für die Lehre und die Ueberlieferung Israels ist der große und allgemeine Aufschwung, den die „Vereine für jüdische Geschichte und

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